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der erſten Kindheit; denn daß man das Gute lediglich um des Guten willen tun ſoll, das können die Kinder noch nicht verſtehen. Sie können ferner nicht unterſcheiden, was gut und was ſchlecht iſt. Für ſie iſt das Gute das, was man ihnen befiehlt, das Schlechte das, was man ihnen verbietet. Der kleine Zigeunerjunge, der ausgeſchickt wird, um zu ſtehlen, wird geſchlagen, wenn er nichts heimbringt. Er wird daher überzeugt, daß es gut ſei, zu ſtehlen. Nützen wir alſo die kindliche Geſchmeidigkeit aus, um dem Kinde geſunde moraliſche Gewohnheiten einzuflößen. Und um dieſes zu erreichen, tun wir gut, die kindliche Eigenliebe, ihre Selbſtſucht für unſere Zwecke dienſtbar zu machen; hier kommt uns übrigens auch die Natur ſelbſt entgegen: das Kind will gelobt, will ausgezeichnet werden. An uns iſt es, dieſe Eigenſchaft mit Takt und mit Vorſicht zu gebrauchen. Dünkel ſoll nicht gezüchtet werden.
Faſſen wir nun noch einmal zuſammen, welches der Charakter der Erziehung der kleinen Kinder ſein ſoll, ſo finden wir ein Dreifaches. Sie muß ſein
1) realiſtiſch d. h. keinerlei Abſtraktionen, keine moraliſchen Exkurſionen, kein Appell an das Gefühl, ſondern einfach der kate⸗ goriſche Imperativ, ein gutes Vorbild; dem Kinde muß die Ueber⸗ zeugung beigebracht werden, daß das Gute ſich belohnt, daß das Böſe beſtraft wird.
2) diszipliniert. Darin liegt die ganze Erziehung des Kindes, der Schlüſſel zu ſeiner ſpäteren Entwicklung und
3) lebensfreudig. Auch das iſt wichtig. Das Kind muß Freude am Leben empfinden, eine ſonnige Jugend durchleuchtet das ganze Leben.*) Wollte man dem Kinde weltſchmerzliche Maxime predigen, ſo wäre das verbrecheriſch. Gewiß, wer wollte nicht verkennen, daß es auch Leid im Leben gibt, auch darauf muß das Kind vorbereitet werden; und was iſt da ſegensreicher als gerade ein geſunder Optimismus, zu dem nur in der Jugend der Grundſtein gelegt werden kann.
Mitt Vollendung des 7. Lebensjahres iſt der erſte Teil der Kind⸗ heit„die Kindheit der Kindheit“ vollendet. Wie ſoll ein Kind, das nach dieſen Grundſätzen erzogen iſt, geartet ſein? Nehmen wir an, es ſei ein Junge; er iſt geſund, kräftig, abgehärtet, kühn in ſeinen Spielen, begierig auf alle Vergnügungen, die die freie Natur ihm
*) Wem fallen da nicht die Worte Hebbels ein: Ich bleibe dabei: Die Sonne ſcheint dem Menſchen nur einmal, in der Kindheit und der früheren Jugend. Erwärmt er da, ſo wird er nie wieder völlig kalt, und was in ihm liegt, wird friſch herausgetrieben, wird blühen und Früchte tragen“.


