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die Belohnung der menſchlichen Eitelkeit bei der Erziehung nicht ver⸗ ſagen darf, ſo darf man es auch nicht mit den Strafen, die die Selbſt⸗ liebe treffen. Wenn die Erziehung wirkſam ſein ſoll, dann muß ſie ſich immer auf das wirkliche Leben begründen. Und dieſes zeigt uns, daß viele ausgezeichnete Taten geleiſtet werden durchaus nicht um ihrer ſelbſt willen, ſondern mehr aus Wunſch nach Ruhm, aus Furcht vor Erniedrigung.
. Ein ideales Mittel der Erziehung iſt das der„Entziehung“ (privation wie es Prévoſt nennt). Hier iſt jegliche Gefahr ausge⸗ ſchloſſen, und es wirkt vortrefflich. Hierunter kann verſchiedenerlei „Entziehung“ verſtanden werden: Entziehung der Freiheit, einer be⸗ ſonderen Lieblingsſpeiſe, eines beſonderen Vergnügens uſw. Es muß der Individualität des Kindes angepaßt ſein; wie auch der Charakter eines Kindes ſein mag, jedes hat ſeine beſonderen Liebhabereien. Dieſe ſoll der Erzieher zu erkennen ſuchen und als Strafmittel be⸗ nützen.—
Ja, aber ſo wird die ängſtliche Mutter fragen, ſoll man denn immer ſtreng gegen die Kinder ſein? Gewiß, nichts darf un⸗ geahndet bleiben. Dem Vergehen muß die Strafe auf dem Fuße folgen. Der Mißbrauch des Verzeihens iſt verderblich, ſelbſt bei auf⸗ richtigem Bereuen. Dieſes verdient nur, daß man der Strafe das Gewand der Demütigung nimmt. Die Strafe ſelbſt muß bleiben. Denn nur ſo kann in dem Kinde der Begriff ſich einwurzeln, daß, wie Prévoſt ſagt, tout se paie(alles bezahlt ſich).
Allerdings, da ſei gerne zugegeben, iſt das für die Eltern ſehr ſchmerzlich, ſchmerzlicher als für das Kind. Aber da gilt es tapfer ſein, es handelt ſich um das Wohl des Kindes. Denken wir daran, daß das Kind das Verzeihen als eine Niederlage der Eltern betrachtet!
Wie ſteht es mit den Belohnungen als Erziehungsmittel? Auch hierin weicht Prévoſt von ſeinem großen Vorgänger Rousseau ab. Er betrachtet das wirkliche Leben und die Menſchen, deren un⸗ vollkommenes Abbild die Kinder ſind und zieht daraus ſeine Lehren. Er ſieht, wie ſehr Orden, ſonſtige Auszeichnungen, materielle Vor⸗ teile dazu beitragen, die Kräfte des Staatsbürgers anzuſpornen. Warum alſo dieſes Syſtem nicht in der Schule anwenden? Warum alſo die Kreuze, die Einzeichnung auf der Ehrentafel, die Preiſe auf⸗ heben?*) Auch ſie haben ihre Berechtigung und beſonders während
*) Von dieſen Mitteln macht die franzöſiſche Schule allerdings zu reich⸗ lichen Gebrauch. D. Verf.


