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Welche Strafe nun? Ehemals wurde als ſolche nur körperliche Züchtigung betrachtet. Auch heute wird ſie in gewiſſen Kreiſen noch als Allheilmittel angeſehen. Sie hat, das leugnet Prévoſt durchaus nicht, auch ihre Berechtigung. Körperliches Uebel empfinden die Kin⸗ der bekanntlich am meiſten. Und wir wiſſen ferner, daß Menſchen, bei denen körperliche Züchtigung eines der hauptſächlichſten Erziehungs⸗ mittel war, gern ohne irgendwelche Bitterkeit von ihrer Kindheit ſprechen und für ihre ſtrengen Erzieher für ihr Leben lang eine tiefe Zuneigung bewahren.
Wenn aber nun trotzdem Prévoſt dieſes Mittel nicht empfiehlt, ſo geſchieht es, wie aus dem Vorhergehenden folgt, nicht aus einem gewiſſen Mitleid mit dem Kinde heraus, ſondern weil dieſe Art der Strafe geführlich für die Moral der Erziehung ſelbſt iſt.„Ein Kind ſchlagen, iſt die Tat des Starken gegen den Schwachen, des Bewaff⸗ neten gegen den Verteidigungsloſen“. Gewiß, die Häßlichkeit einer ſolchen Szene kommt nicht jedem Kinde zum Bewußtſein, wie aber, wenn einmal das Kind ſich deſſen bewußt wird und darüber urteilt? Oder liegt nicht die Gefahr nahe, daß ſo in dem Kinde der Kultus der rohen Gewalt begründet und entwickelt wird?
Noch eine Gefahr! Bei der körperlichen Züchtigung iſt der Er⸗ zieher leicht geneigt, ſeine Kaltblütigkeit, ſeine ſelbſtſichere Ruhe zu verlieren. Der Erzieher ſchlägt faſt immer in einem Augenblick, wo er die Geduld verliert. Und das muß ihn unbedingt in den Augen des Kindes herabſetzen, und damit wird die Strafe auch ihrer Eindrucks⸗ fähigkeit, ihrer Würde entkleidet.*)
Nach Prévoſts Anſicht ſind vortreffliche Strafen 1) die Entziehung (privations), und 2) die Demütigungen(humiliations).
Mit Vorſicht müſſen dieſe letzteren gehandhabt werden,— ſie können ein von Natur empfindliches Kind verbittern, oder es liegt die Gefahr nahe, daß das Kind abgeſtumpft wird—, aber anwenden müſſen wir dieſes Erziehungsmittel doch. Denn ebenſo, wie man ſich
*) Anders urteilt Matthias in ſeinem bereits erwähnten Buch über die körper⸗ liche Züchtigung. Er will— allerdings mit weiſer Beſchränkung— körperliche Züchtigung angewendet wiſſen; zwar werde geiſtige und ſittliche Veredelung nicht eingeprügelt, ſondern nur durch geiſtige und ſittliche Mittel gewonnen. „Daß aber für dieſe geiſtigen und ſittlichen Einflüſſe das Herz empfänglich werde, dazu ſollen Prügel vorbereitend dienen; ſie ſollen die Tore des Herzens ſprengen oder wie die Hacke den Boden lockern, damit die geiſtige Saat mit Erfolg ausgeſtreut werden kann. Wie man Saat aber am beſten ausſtreut in den erſten Frühlingstagen, ſo ſoll man auch in den erſten Lebensjahren die Rute nicht ſparen“.
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