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oder nicht gehorcht, dann ſind jegliche Erziehungsmittel wirkungslos. Deshalb iſt hier äußerſte Strenge geboten.
Dieſe moraliſchen Geſetze werden natürlich beſonders wirkſam, wenn ſie geſtärkt werden durch das Beiſpiel, das der Erwachſene, der Erzieher dem Kinde geben muß. Indeſſen, wie oft ſündigt hier⸗ gegen die paresse éducatrice! Dem Kinde wird geſagt: Du ſollſt nicht lügen; dabei kann es aber nur zu oft die Beobachtung machen, daß ſeine Mutter und ſein Vater im Salon z. B. mit der Wahr⸗ heit es durchaus nicht ſo genau nehmen. Unter ſolchen Umſtänden iſt natürlich jede wahre Erziehung unmöglich.
Was nun tun, wenn das Kind gegen die obengenannten Grundſätze der Moral gefehlt hat? Mehrere Möglichkeiten ſind gegeben. Ent⸗ weder, man tut überhaupt nichts, oder beſſer geſagt, man tut gewöhnlich nichts— ein ſolches Verfahren richtet ſich aber von ſelbſt—, oder man appelliert an das Gefühl, man„redet“, man zeigt dem Kinde, welchen Schmerz es ſeinen Eltern durch ſeine Miſſetat bereitet hat, oder 3) man ſtraft.
Prévoſt rät entſchieden ab vom Appel an das Gefühl. Das iſt nicht allein lächerlich, ſondern auch verderblich. Das Kind hat eben nur ſehr wenig Empfindungsfähigkeit; es iſt wohl émotiv(es kann gerührt werden, aber es iſt nicht sensible, wirklich empfindungsfähig). Ge⸗ rade dadurch, daß es ſchnell vom Lachen ins Weinen übergeht, zeigt es, daß ſeine Empfindungsfähigkeit noch nicht geregelt iſt. Denken wir ferner daran, wie ſchnell z. B. das Kind das Andenken eines Ver⸗ wandten verliert, und mochte er es auch mit Zärtlichkeiten überhäuft haben. Wir dürfen darob das Kind nicht anklagen. So iſt das Kind, und ſo muß es ſein. Die Natur will eben die kindlichen Kräfte für die Entwickelung allein angewandt wiſſen, ſie will ſie ſchonen. Alſo laſſen auch wir den Appell an das Gefühl.
Die Strafe. Dieſe iſt das allein gute Syſtem. Nur dieſes iſt wirkſam, nur dieſes macht das Kind glücklich. Das klingt durchaus nicht paradox; ein verzogenes Kind iſt ſtets unzufrieden, unruhig, „nervös“, kurz, unglücklich, ein Kind lebt nur dann glücklich, wenn ſein Leben wohl geordnet iſt: körperliche Pflege, Pflege des Geiſtes und auch Pflege der Moral.
Hat das Kind einen Fehler begangen und man rügt ihn nicht, oder man verzeiht ohne innere Notwendigkeit, dann bleibt es unter der Wirkung ſeines Fehlers; es wird nur davon befreit durch eine entſprechende Strafe.


