Ja aber der Akzent? den erlernt das Kind vielleicht beſſer? Ge⸗ wiß, ſeine Sprachwerkzeuge ſind modulationsfähiger. Aber, ſo fragt Prévoſt mit Recht, lernt man eine fremde Sprache wirklich nur deshalb um bei Gelegenheit ſeine Nationalität verbergen zu können? Die Freude, für einen Engländer gehalten zu werden, weil man gut eng⸗ liſch ſpricht, iſt im Grunde doch kindiſch. Die Hauptſache iſt und bleibt, gut zu verſtehen und verſtanden zu werden, die Hauptſache iſt ferner, ſeine Mutterſprache gut zu kennen. Bei dieſer Gelegenheit iſt ein Blick auf die zweiſprachigen Länder— Belgien, Luxemburg— ſehr lehr⸗ reich. Dort kann man die Beobachtung machen, daß beide Sprachen nur unvollkommen gehandhabt werden. Selten ſind ſolche Gebiete die Heimat großer Geiſter, auch das iſt nicht zufällig).
Wie denkt ſich nun Pr. das Tagewerk eines Kindes von un⸗ gefähr 6 Jahren? Im Geiſte iſt er mit ſeinen Schützlingen auf dem Lande. Dort leben ſie in einer geſunden Einfachheit, peinliche Körperpflege wird geübt. Um 7 Uhr früh wird aufgeſtanden, nur in Krankheitsfällen wird hiervon eine Ausnahme gemacht, ſonſt nie, denn le lever, c'est le premier acte, c'est l'inauguration de la matinée. Das Tagewerk iſt vielſeitig entſprechend der Anlage des Kindes, das ſtets nach Abwechſelung verlangt.
Nachdem es angekleidet iſt und ſein Frühſtück eingenommen hat, beginnt gegen 9 Uhr die Zeit der ernſten Arbeit, des Unterrichtes; es ſind keine eigentlichen Unterrichtsſtunden, in denen nur Kenntniſſe vermittelt werden. Vornehmſte Aufgabe dieſes Unterrichtes iſt es viel⸗ mehr, die Kinder arbeiten zu lehren; ihre Aufmerkſamkeit ſoll geſchult, diszipliniert werden. Und dies gelingt uns am beſten, wenn wir vom Anſchauungskreis des Kindes, von dem, was ihm am nächſten liegt, ausgehen. Dafür iſt das Intereſſe des Kindes ſtets wach. So zeichnet Pr. in einer der erſten Stunden vor den Kindern die Arbeits⸗ ſtube; dabei werden die Plätze, worauf die einzelnen Möbel ſich be⸗ finden, genau angegeben. Dies haben die Kinder bald verſtanden, dann wird das anſtoßende Zimmer dazu gezeichnet uſw., ſchließlich das ganze Haus, das benachbarte Haus, endlich das ganze Dorf. Dann wird das Dorf verlaſſen und die benachbarte Umgebung betrachtet. Auf dieſe Weiſe wird das Kind in die Kartenkunde eingeführt. Die Pro⸗ vinz wird behandelt, und Vergleiche hinſichtlich ihrer Ausdehnug in bezug auf das ganze Land werden angeſtellt. Dabei erfahren die Kin⸗ der etwas über die Sitten des Dorfes, ſeine Sehenswürdigkeiten, ſeine Trachten. Das iſt dann auch ein Anknüpfungspunkt, um auch etwas von Geſchichte zu ſprechen.


