Aufsatz 
Marcel Prévost als Jugenderzieher
Entstehung
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unterricht, und außerdem iſt die erzielte Leiſtung, mag ſie auch noch ſo beſcheiden ſein, ein koſtbares Dokument über den kindlichen Verſtand ſelbſt. Verſuche und Beobachtungen liefern uns da bis⸗ weilen die unerwartetſten Reſultate. Die kindliche Phantaſie be⸗ währt ſich auf das Glänzendſte; das Kind ſieht Dinge, die in Wirk⸗ lichkeit gar nicht vorhanden ſind, dagegen überſieht es gewiſſe Reali⸗ täten vollſtändig. Da muß nun die Erziehung zur Aufmerkſamkeit einſetzen.

Auch der Geſangunterricht iſt hier von Wert; hier lernt das Kind einen beſtimmten vorgeſpielten Laut wiederholen; dabei aber muß es aufmerkſam ſein.

Prévoſt gibt hier noch weitere Beiſpiele, die dartun, wie z. B. auf Spaziergängen die Aufmerkſamkeit geübt werden kann. Auf dieſe Weiſe gewinnt das Kind obendrein ein tieferes Intereſſe für die Außenwelt, ſein Kontakt mit der Wirklichkeit wird inniger.

Wir ſehen, Prévoſts Unterricht iſt lediglich auf die Anſchauung, auf die Erfaſſung der Wirklichkeit gegründet. Mit aller Entſchieden⸗ heit wendet er ſich gegen die Anwendung des Buches vor dem vollende⸗ ten 7. Lebensjahre; weit davon entfernt, die Bildung des Geiſtes zu fördern, iſt dieſes nach Prévoſt Ueberzeugung nur dazu angetan, ſie geradezu zu hemmen. Denn mit dem Buche tritt das Kind gleichſam von der wirklichen Welt in die künſtliche ein. Dadurch erlahmt ſein Intereſſe für die Wirklichkeit, für die neue künſtliche Welt iſt ſein Intereſſe nicht gleich groß, ſchon die Schwierigkeit der Erfaſſung, Leſenlernen wirkt entmutigend und all ſeine Fähigkeiten laufen Gefahr, weniger intenſiv als früher ſich zu betätigen. Und gerade das ſoll in der Erziehung des Kindes vermieden werden.

Und dann, wie dürftig iſt doch der Unterricht durch das Buch, ver⸗ glichen mit dem durch die wirkliche Welt. Nur hier können alle Sinne, Geſicht, Gehör, Gefühl uſw. ihre Pflicht erfüllen, den menſchlichen Geiſt zu bereichern, nur auf dieſe Weiſe bildet ſich eine wirklich aktive Intelli⸗

genz. Gewiß, auch das Buch fördert den kindlichen Geiſt, aber erſt nach⸗

dem der nötige Kontakt mit dem wirklichen Leben hergeſtellt iſt; und dies iſt unbedingt notwendig; denn das Buch iſt eigentlich nichts anderes als ein Erfaſſen der Welt mit den Augen anderer. Und dies darf erſt dann geſchehen, wenn ich ſelbſt mit meinen eigenen Augen genügend erfaßt habe. Denn ſonſt bin ich verſucht, alles kritiklos hinzunehmen. Und daß das verwerflich iſt, bedarf keiner weiteren Erörterung.