Aufsatz 
Marcel Prévost als Jugenderzieher
Entstehung
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rioden: bis zu 7 Jahren entdeckt das Kind die Exiſtenz einer Außen⸗ welt, es lernt, behandelt, beeinflußt zu werden: il apprend à être agi, von 7 12 Jahren geht es aus dieſem rein paſſiven Zuſtand heraus; es gewöhnt ſich daran, zu reagieren,(entgegenzuhandeln): il s'accoutume à étre agi), und endlich mit 12 Jahren fängt es an, ſich als ſelbſtändiges Weſen im Univerſum zu fühlen: il apprend à agir.

In der Jugend wird der Grundſtein zum Glück des Menſchen gelegt und zwar eben durch die Erziehung. Deshalb iſt für Prévoſt ein Kind erziehen, nichts andres alses in Stand ſetzen, ſoviel als möglich glücklich zu ſein. Dieſe Definition klingt natürlich etwas un⸗ klar, aber ſie zeigt uns, auf welchen Grundſatz die Erziehung baſieren ſoll, auf das zukünftige Glück des Menſchen.

Zum Glück des Menſchen gehört vor allem Geſundheit. Pflicht des Erziehers iſt es deshalb, ſorgfältig über die Geſundheit des Kindes zu wachen. Hierüber hat ſchon Rousseau viel geſagt; doch auch hierin iſt die Wiſſenſchaft über ihn hinweggeſchritten. Doch wiſſen dies auch die jungen Mütter? Beileibe nicht, ſie haben wohl Muſik, Malerei, die neueren Sprachen betrieben u. a., aber von Kinderpflege haben ſie nie ein Wort gehört in ihrem Inſtitut. Das wäre ja auch unerhört, ſo ſagt mit leiſer Ironie Prévoſt, ein ſolches Thema für junge Mädchen!

Und wie wichtig iſt diesdoch. Wohl kann hier der Arzt helfend einſpringen, aber die Mutter iſt und bleibt doch der beſte Arzt des Kindes; ſie kennt das Kind am beſten. Darum verlangt Prévoſt, daß die jungen Mädchen mit der Kinderpflege vertraut gemacht werden.

Wann beginnt nun die Erziehung? Alsbald mit der Geburt. Hübſch zeigt hier Prévoſt, wie zwiſchen dem Neugeborenen und der Außenwelt ſchon in den erſten Wochen ein bewußter, wenn auch lücken⸗ hafter Kontakt beſteht. Das Kind will Licht haben, es begehrt Speiſe u. a., und bald weiß es auch, wie es zur Erfüllung ſeiner Wünſche kommt es ſchreit. Jenes Element erſcheint in ihm, deſſen ſich der gute Erzieher bedienen muß, die Gewohnheit. Es gibt ſchlechte Ge⸗ wohnheiten und gute Gewohnheiten; beide zeigen ſich im Kinde. Unſere Aufgabe iſt es, die ſchlechten Gewohnheiten zu unter⸗ drücken, die guten zu fördern. Geben wir dem Kinde immer nach, dann iſt die Erziehung von vorherein verdorben. Prévoſt gibt hier einige treffende Beiſpiele; es ſei geſtattet, eines hiervon anzuführen. Die paresse éducatrice hat die junge Mut⸗ ter dazu verführt, das Kind einmal vor dem Einſchlafen zu wiegen; ſie wußte, ſo ſchläft es leichter ein; das gelang auch. Aber von