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jeden Peſſimismus, Freude an körperlichen Uebungen(Sport) und „ein Wiederaufleben eines nationalen Chauvinismus der in der vor⸗ hergehenden Generation faſt verſchwunden war“ und bei der weib⸗ lichen Jugend noch ferner intellektuelle Neugier, Wiſſensdurſt.
Ihre Fehler: Reſpektloſigkeit; zwar iſt dies der Jugend immer eigen, aber noch nie hat das ſich in einem ſolchen Grade gezeigt wie gerade in der Gegenwart; ferner Mangel an Schamgefühl, eine Folge der Reſpektloſigkeit; die Autorität der Eltern iſt infolge eigenen Ver⸗ ſchuldens geſchwunden, die Kinder legen ſich in ihrer Anweſenheit keinerlei Zwang auf weder in Haltung, noch Worten; erlaubt iſt, was gefällt(für Pr. iſt das eine Folge von 1789) und ſchließlich Oberflächlich⸗ keit, innere Hohlheit; der heutigen Jugend fehlt es an Idealismus, kein ehernes Sittengeſetz, das in ihnen leben ſollte, leitet ſie; an Stelle des Pflichtlebens iſt das Genußleben getreten. Hier trifft neben der Familie den Staat die Hauptſchuld; durch die Abſchaffung des Reli⸗ gionsunterrichtes und deſſen(unzureichender) Erſatz durch den Moral⸗ unterricht wurden auch noch die letzten Reſte der religiöſen, moraliſchen und idealen Traditionen faſt beſeitigt.
Schon hier ſehen wir, daß Prévoſt die Schuld für den heutigen Zuſtand der Jugend nicht nur in ihr ſelbſt ſucht, ſondern auch bei den Erziehern, der Familie und dem Staat. In der Familie wird gefehlt ſowohl aus Unwiſſenheit, als auch aus einer gewiſſen Nach⸗ läſſigkeit heraus— paresse éducatrice, wie es Prévoſt nennt— Wie viele Familien bedienen ſich zur Erziehung ihrer Kinder fremder Perſonen! Nichts ſchlimmer als das! Er verurteilt das Erzieher⸗ ſyſtem aus mehrfachen Gründen. Und der Staat ſündigt infolge der Eigenart ſeiner höheren Schulen; dieſe ſind faſt alle Internate, und Prévoſt iſt kein beſonderer Freund des Internates.
Sein Erziehungsideal iſt eine Erziehung durch die Familie, ver⸗ bunden mit dem regelmäßigen Beſuch eines Externates, alſo unſer deutſches Syſtem. Allerdings ſoll nach ihm das Kind erſt mit 10 Jahren zur Schule eintreten. Bis zu dieſem Zeitpunkt ſoll ſeine Erziehung ausſchließlich von der Familie geleitet werden.
Was verſteht nun Prévoſt unter Erziehung, und nach welchen Prinzipien ſoll die Erziehung eines Kindes erfolgen?
Das menſchliche Leben teilen wir ein in die Zeit des Werdens, der Reife, des Vergehens. Die Zeit des Werdens iſt die Kindheit; dieſe iſt für Prévoſt wieder ein vollſtändiges Leben für ſich, das ſelbſt wieder ſeine Kindheit, ſeine Reife, ſein Ende hat. Die Beziehungen des Kin⸗ des zu der Außenwelt ändern ſich fortwährend im Laufe dieſer 3 Pe⸗


