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Eine Abweichung hiervon in Berücksichtigung des von dem Schüler gewählten Berufes ist nicht zulässig. Dagegen steht es der Prüfungskommission zu, nach pflichtmässigem Ermessen darüber zu entscheiden, ob und inwieweit etwa nicht genigende Leistungen in einem Lehrgegenstande durch die Leistungen des Schülers in einem anderen Lehrgegenstande als ausgeglichen zu erachten sind“.
24. 2. 09. Prov.-Sch.-Koll. übersendet einen Min.-Erlass, der eine einfachere Gestaltung der Schulnachrichten in den Jahresberichten anordnet.
III. Zur Geschichte der Schule.
Das Schuljahr begann am 22. April 1908 und endet am 31. März 1909.
Die im Sommerhalbjahr noch unbesetzten drei Oberlehrerstellen wurden von den Se- minarkandidaten Buth, Klöckner und Säle vertretungsweise verwaltet. Im Laufe des Sommers wurden für diese Stellen die Oberlehrer Backhaus, Tiemeyer!) und Dr. Sperrhake*) gewählt und bestätigt, von denen die beiden letzteren bereits am 1. Oktober 1908 ein- traten, während Oberlehrer Backhaus vom Gymnasium in Neuruppin erst zum 1. April 1909 frei wird und während des Winters noch von dem Seminarkandidaten Erich Müller ver- treten werden musste. Mit seinem Eintritt wird das Lehrerkollegium seit Ostern 1906 zum erstenmal wieder vollzählig, und damit werden für die Schule hoffentlich ruhigere Zeiten beginnen. Ein weiterer günstiger Einfluss für den gesamten Unterrichtsbetrieb lässt sich von dem Neubau erwarten, der von den städtischen Körperschaften nunmehr endgiltig beschlossen ist und dessen Ausführung nach Kräften gefördert wird.
Mit Schluss des Sommerhalbjahres schieden aus dem Seminar die Kandidaten Klöckner, Rahlfs, Buth, Säle, Dr. Dorscheid, Meierfeldt und Dr. Adler; die fünf erst- genannten begannen an anderen Schulen der Provinz ihr Probejahr; die beiden letzteren gingen für ein Jahr als Lehramtsassistenten nach den Vereinigten Staaten von Nord- amerika. In das Seminar traten neu ein die Kandidaten Dr. Bartels aus Gütersloh, Dr. Behlau aus Elbing, Dr. Grau aus Cassel, Heusinger aus Wetter in Hessen-Nassau, Holtzhüter aus Berlin, Müller aus Zoppot und Dr. Rediger aus Culm.— Dr. Rediger wurde vom 1. Oktober, Dr. Grau vom 1. Januar dem Königlichen Gymnasium in Konitz zur Vertretung erkrankter Oberlehrer überwiesen; die übrigen Kandidaten blieben, zum Teil vertretungsweise beschäftigt, an der Seminar-Anstalt.
Ende Januar erkrankte Zeichenlehrer Kaufmann und musste bis Ostern beurlaubt werden. Den grössten Teil seiner Stunden übernahm mit dankenswerter Bereitwilligkeit
¹) Wilhelm Tiemeyer, geb. am 3. Juni 1882 in Osnabrück, machte die Reifeprüfung am 28. Februar 1901 an dem dortigen Realgymnasium, studierte in Berlin und Marburg Mathematik, Physik und Erdkunde, bestand am 10. November 1905 die Staatsprüfung für das höhere Lehramt, leistete von Oktober 1905 bis April 1907 und von April bis Oktober 1908 Seminar- und Probejahr ab, genügte inzwischen von April 1907 bis April 1908 seiner Militärpflicht und trat am 1. Oktober 1908 bei der hiesigen Oberrealschule als Oberlehrer ein.
2) Walther Sperrhake, geb. am 20. Mai 1881 zu Eisenberg in Sachsen-Altenburg, machte die Reifeprüfung am 22. März 1901 an dem Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte neuere Sprachen in Jena und Halle, wurde am 11. August 1905 zum Dr. phil. promoviert, bestand am 7. Juli 1906 die Staatsprüfung für das höhere Lehramt, leistete von Oktober 1906 bis Oktober 1907 sein Seminar- jahr an der Oberrealschule in Elbing und von Oktober 1907 bis Oktober 1908 sein Probejahr an den Gymnasien in Marienburg und Pr. Stargard ab und wurde am 1. Oktober 1908 als Oberlehrer an der hiesigen Oberrealschule angestellt.


