Aufsatz 
Friedrich Zimmermann. Eine Skizze seines Lebens und Wirkens
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

aus dem Gymnasium gab den Gymnasialklassen wieder die für den Augenblick unentbehrlichen Schulräume.

5. Mit dem Beginn des Sommerhalbjahrs mietete unsere Anstalt zu ihren seitherigen Turnlokalen für eine Anzahl von wöchentlichen Stunden die Turnhalle der Turngemeinde Darmstadt. Es war die Folge dieser Massnahme, dass nunmehr die Nachmittage des Mitt- woch und Samstag wirklich vollständig frei von obligatorischen Stunden sind. Der Turn- gemeinde und ihrem Präsidenten Herrn Prof. Dr. Ludwig Büchner sprechen wir für ihr freund- liches Entgegenkommen besten Dank aus. Ausserdem wurde an der Soderstrasse ein grosser Platz gemietet, planiert, mit einer Halle und Spielapparaten verschen, so dass jeder Klasse wöchentlich eine dritte obligatorische Turn- und Spielstunde zugewiesen werden konnte. Die bedeutenden Kosten der Herstellung dieses Spielplatzes, seine Miete, sowie die Miete der Halle der Turngemeinde konnten aus dem überschüssigen Kassenvorrat der Vorschule bestritten werden.

6. Einigen Kollegen sind erfreuliche Anerkennungen zu teil geworden. Gymnasiallehrer Dr. Bender ist Mitglied der Kommission für Vorbereitung des neuen Choralbuchs zum Gesang- puch für das Grossherzogtum Hessen geworden; Gymnasiallehrer Schopp wurde zum Gemeinde- rat in Bessungen und Gymnasiallehrer Friedrich zum Landtagsabgeordneten für den Land- kreis Darmstadt gewählt.

7. Die Anstalt beging festlich den 400-jährigen Geburtstag Luthers, an dem Gymnasial- lehrer Trümpert die Festrede hielt, den 2. Sept. 1884, an dem der Direktor sprach, und am 12. dess. Mts das Geburtsfest Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs, das wir mit Gesängen und einer Festrede des Prof. Dr. Schädel feierten.

8. Unsere Anstalt betrauert das Hinscheiden der vier lieben guten Schüler Hermann Kresse(Vorkl. III O.), Hans Peters(VI H.), Franz Lindeck(V O.) und Heinrich Reissner (IIIa II.).

Am 2. Aug. 1884 starb Prof. Dr. Friedrich Zimmermann, der zwei Jahrzehnte(1856 bis 1876) in unserer Anstalt als Lehrer segensvoll gewirkt. Am 4. August nachmittags 6 Uhr gab ihm unser Lehrerkollegium vom Trauerhause zur Ruhestätte das letzte Geleit. Direktor Becker sprach an seinem Grabe im Namen der Kollegen die Empfindungen treuer Anhäng- lichkeit, seltener Hochschätzung und aufrichtiger Verehrung aus, die Amtsgenossen und Freunde für den liebenswürdigen, geistreichen und gelehrten Mann, für den gewissenhaften und treuen Erzieher und Lehrer hegten. Da Zimmermanns vertrauter Freund, Prof. Dr. Weis, in der Darmstädter Zeitung von seinem Leben und Charakter, der in unserer Schulgeschichte unver- gessen bleiben und nach wesentlichen Seiten Nachfolge finden soll, eine Skizze zeichnete, die seine eigentümliche Persönlichkeit treffend darstellt, so übergeben wir dieselbe am Schlusse der vorliegenden Schulnachrichten unserer Schulgeschichte zu immerwährender Erinnerung.

9. Während des Druckes der vorliegenden Schulnachrichten erhalten wir die Verfügung des Grossherzoglichen Ministeriums vom 16. Sept., wodurch infolge der Wahl des Kuratoriums der hiesigen Victoriaschule Herrn Dr. Thylmann die Verwaltung einer Lehrerstelle an der Victoriaschule und dem Lehrerinnenseminar zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. Okt. 1. J. übertragen wird. Wir bedauern den Abgang dieses Lehrers von unserer Anstalt. Zu seinem Nachfolger ist ernannt Herr Gustav Lenz, seither Lehrer an der Realschule zu Michelstadt.