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1880. 29. Juli. Auf der Eisenbahnlinie Smyrna-Kassaba entstanden Erdspalten 1).
1881, 3. April u. später. Chios. Die Senkungen des Bodens der Insel, welche Fuchs ²) berichtet, werden von Dr. Schwarz ³), welcher daselbst als Arzt ansässig ist, aufs bestimmteste verneint. Die Hebung des Meeresbodens um 1em war nur scheinbar. Zwei Monate dauernde Nordwinde hatten nach Dr. Schwarz einen um 1 m tieferen Wasserstand herbeigeführt. Aufser der schon S. 12 mitgeteilten Be- obachtung Raths und später zu erwähnenden Felsstürzen sind keine Veränderungen der Oberfläche des Festen peobachtet worden ⁴); dagegen war die Einwirkung der Beben auf Brunnen und Quellen unverkennbar 5⁵).
1883. 15. Okt. Bei Latzata klaffte die Erde und schloſs sich wieder, indem sie mehrere kleine Häuser verschlang 6).
1883, 1. Nov. Bei Purgi(Umgebung von Smyrna) bildeten sich Spalten von 3 m.
Von Neubildungen und vom Versiegen dauernder und temporärer Quellen ist mehrfach die Rede.
Aus der gegebenen Zusammenstellung, welche den wesentlichen Inhalt aller Beschreibungen erschöpft, ersieht man, wie allgemein alle Angaben gehalten sind. Unter diesen Umständen begegnet die Einzel- untersuchung jedes Ereignisses unüberwindlichen Schwierigkeiten. Darum ist es zweckmälsig, die Eigen- tümlichkeiten des vorderen Kleinasiens vorauszuschicken, welche irgend einen Zusammenhang mit den Erdbeben vermuten lassen. Nach ihrer Kenntnisnahme ist eine Beurteilung der einzelnen Ereignisse aus dem Vollen heraus eher möglich.
Es verdient hervorgehoben zu werden, dals im ganzen Gebiete der Längszone amorphe und kristallinische Kalke eine bedeutende Rolle spielen. Hauptsächlich ist die Längszone durch die Häufig- keit des Auftretens und die weite Verbreitung von jungeruptiven Trachyten, Basalten und Serpentinen und durch eine grolse Zahl von warmen Mineral- und Schwefelquellen gekennzeichnet. Die Westküste Kleinasiens) wird von einem fast ununterbrochenen Zug von Trachyten begleitet. Von Bunarbaschi bis Kap Baba und der Südküste der Troas entlang bis in die Länge von Aiwalik verläuft der erste Teil desselben ³). Etwas südlich von Aiwalik treten von neuem Trachyte zu Tage ⁹); sie setzen bis Burnabad die an der Küste sich hinziehenden Erhebungen gröſstenteils zusammen ¹⁰). Auch am Südufer des Golfes von Smyrna und auf der jonischen Halbinsel kommen nicht selten Trachytdurchbrüche vor 1¹). Die Küste des Golfes von Mendelia bedeutet eine Unterbrechung in dem bis dahin zusammenhängenden Trachytzuge. Erst die Halbinsel von Halicarnassus weist wieder derartige Vorkommen auf ¹²). Sie besteht zum groſsen Teile aus Trachyten und trachytischen Konglomeraten. Die Schichten der zur Längszone gehörigen Inseln sind ebenfalls häufig von jungeruptiven Gesteinen durchbrochen. Auf Rhodus fehlen allerdings anstehende Eruptivgesteine gänzlich 1). Die im N. W. sich daran anschlieſsenden Inseln sind dagegen vulkanischen Ursprungs. Nysiros besitzt sogar einen noch heute thätigen Vulkan 1⁴). Im östlichen Teile von Kos fand Neumayr Trachyte, die gleichalterig mit jenen auf der Halbinsel von Budrun und älter als das mittlere Pliocän sind ¹⁵). Die im Westen dieser Insel vorkommenden Rhyolite, Andesite und rhyolitischen Tuffe sind wahrscheinlich diluvialen Ursprungs. Denn Fournouer hat in den ähnlichen Tuffen von Yali recente Arten nachgewiesen 16). Auf Samos hat Nasse Diabase, Quarzporphyre, Porphyrite und Serpentine konstatiert, deren Alter er nicht bestimmt hat ¹⁷). Chios besitzt serpentinisierte Gesteine, grüne Diabastuffe und quarz-
¹) Fuchs in Tschermaks Min. Mitt. 1882.—*) Fuchs, Tschermaks Mitt. 1883.— ³) G. v. Rath nach briefl. Mitt. Sitzber. d. niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilkunde, 9. Jan. 1882, Separat-Abdruck p. 4, Anm.—) Daselbst p. 2 u. 4.— ⁵) Daselbst p. 5.— ⁴) Fuchs in Tschermaks Mitt. 1885.—) Tchihatcheff, As. min. IV, 1; 458.— 8) Tchihatcheff, ebenda IV, 1; 17 ff.*) Tchihatcheff 63.— ¹⁰) 64 f.— ¹) 70 ff. u. Hamilton u. Strickland, On the Geol. of the Neigbh. of Smyrna II, 293.**) Tchihatcheff IV, 1; 73.— ³) Bukowski, Sitzber. d. Wiener Akad.,
math.-natw. Kl., XCVI, 1887, 167.— ¹¹) Gorceix, Rofs Reisen auf d. griech. Ins. 69 u. 78.— ¹⁵) Kos, Denkschr. d. Wiener Akad., math.-natw. Kl., XI., 1880, 225. 1⁰6) Neumayr, Kos 223 u. 216.— ¹⁷) Ztschr. d. Ges. f. Erdk.,
Berlin 1875, X, 223 u. 234.


