Erdbeben die Voraussetzung übrig, daſs eine gemeinsame. erdbebenbegünstigende Ursache, etwa die anziehende Kraft des Mondes, gleichzeitig an verschiedenen Orten der Längszone Spannungen der Erdrinde auslöst. Im ersten Falle treten zu dieser Möglichkeit noch die folgenden beiden hinzu. Ausnahmsweise kann der Sitz der Beben auch in grölserer Tiefe liegen. Ferner ist die sekundäre Kraft der fortgepflanzten Welle eines Bebens imstande, an anderen Orten der Längszone reife Spannungen zur Auslösung zu bringen. Diese sind die Ursache neuer Beben. Durch die Wiederholung desselben Prozesses erweitert sich der Umfang des Schütterkreises..
Wenn man die den einzelnen Erdbeben beigegebenen Berichte überschaut, so fällt es auf, eine wie kleine Zahl von Veränderungen der Erdoberfläche im Vergleich zur Gesamtheit der berichteten Stölse gemeldet-wird. Z. T. hat dies sicherlich seinen Grund darin, daſs viele Umwälzungen ohne Augenzeugen vor sich gehen, Zz. T. ist dies auf das Phlegma und die Interesselosigkeit des Türken zurückzuführen, der nur dann aus seiner Ruhe aufgerüttelt wird, wenn es sich um sein eigenes Gut und Leben handelt. Gleichwohl scheint es auch den thatsächlichen Verhältnissen zu entsprechen. In der That hat die grölste Zahl der Erdbeben einen milden Charakter. Geringe Verschiebungen der Schollen mögen wohl stattgefunden haben und noch gegenwärtig vorkommen. Sie zu bemerken, dazu gehört das Auge und Interesse des Fachmannes, dazu sind genaue Messungen nötig, welche der Laie anzustellen nicht fähig noch willens ist.
Von den wenigen mir bekannt gewordenen Veränderungen ist ein Teil schon bei dem Versuche, einzelne Auswaschungsbeben auszuscheiden, erwähnt worden; ein anderer Teil bekundet durch deutliche Merkmale, dals seine Entstehung lediglich der sekundären Wirkung der Erdhbeben zuzuschreiben ist. Die hierauf bezüglichen Thatsachen sollen später zur Sprache kommen. Nur ganz wenige Veränderungen zeigen Symptome, bei welchen man im Zweifel sein kann, ob sie tektonischen Vorgängen oder andéeren Ursachen ihr Dasein verdanken. Selbst die wenigen Berichte verdienen nicht alle Glaubwürdigkeit. Sie folgen hier in chronologischer Ordnung:
Vor 323 v. Chr. Die Insel Chryse verschwand nebst ihrem Vulkane Mosychlos; an ihrer Stelle bildete sich eine Sandbank ¹).
1493, Lango(Kos). Dicke Felsen fielen herab, und es bildete sich eine neue Insel.(Nach Perrey zweifelhaft ²).
1688, 10. Juli. Smyrna. Der Isthmus, auf dem das Schlols stand, wurde durchbrochen. An seine Stelle trat ein Kanal von 100 Schritt Breite. Der Boden soll sich um 2 Puls(sic!) gesenkt haben).
1739, 4. April. Smyrna. Am Eingang des Hafens bildete sich eine Sandbank, wo vorher eine Insel war 4¹).
1843, 18. Okt. Auf Kalki(Kharki) ist ein Berg eingesunken 9).
1851, 3. April. Rhodus. Die Berge spalteten sich in ihrer Länge und stürzten übereinander. Die Erde bekam Risse 6).
1856, 12. Okt. Zwischen Rhodus Stadt und Koskino bildete sich eine Erdspalte. Nahe bei Lindos ward ein Fels auseinandergerissen 7).
1865, 23. Juli. Die Hauptquelle von Tuzla verlor sich in einer Spalte, die sich während der letzten Beben gebildet hatte 9).
1867, März. Die Insel Djumda gegenüber Aiwalik soll verschwunden sein(nach Ritter übertrieben 9).
1869, Dez. In Smyrna, Marmaris und Umgebung bildeten sich Erdspalten 1⁰).
¹) Gellar. Not. II, 14, 166 nach v. Hoff.— ²) Perrey, M. C. 1848, cit. Coll. ac.— ³) Mallet, Perrey und J. Schmidt, cit. Dresd. Gel. Anz. 1756, No. 18, Coll. ac. VI, 584.— ⁴) Phil. Transact. 1750, XLVI, 700, nach Mallet u. Perrey.— ³) Compt. Rend. XVIII, 1844, und Perrey.— ⁶) Perrey, Bull.(1) XIX, 1.—) J. Schmidt, Erdbeben- studien.— ⁵) Perre?, M. C. XIX, Dez.—) Perrey, M. C. XXI, März, nach Rechad Ber.— ¹⁰) Perrer, MI. C. XXII, J. Schmidt, Erdbebenstud. Fuchs, N. Jahrb. f. Min. 1870 u. a. O.


