Aufsatz 
Die Erdbeben des vorderen Kleinasien in geschichtlicher Zeit
Entstehung
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sind ¹), kennzeichnen eine weitere Nebenzone. Dieselbe steht möglicherweise mit dem Baba Dagh in ursächlicher Beziehung, vielleicht aber auch mit dem Plateauabbruch, der bei Pambuk Kalessi in zwei Terrassen abfällt ²). Hirschfeld ³) erwähnt, dals in dem südlich vom Baba Dagh gelegenen Aphrodision die Tempelsäulen durch einen Erdstols nach Norden geworfen seien. Das ist vielleicht die Andeutung einer südlich des Baba Dagh verlaufenden Linie.

Im nordöstlichen Teile des vorderen Kleinasiens tritt noch eine scharf ausgeprägte Schütterzone auf. Ihr Mittelpunkt ist im mysischen Olymp der Alten, dem Keschisch Dagh der neueren Zeit, zu suchen. Die Erdbebenkatastrophen Brussas und seiner Umgebung sind beredte und würdige Zeugnisse für das Auftreten von Erschütterungen längs dieses gewaltigen Gebirgsstockes. Das Schüttergebiet des Olymp erstreckt sich südlich vielleicht bis Kiutahia. Denn gleichzeitig mit den beiden von Kiutahia bekannten Erdbeben sind auch in Brussa solche beobachtet worden. Die Ost- und Westgrenze dieses Schüttergebietes zu bestimmen, ist nach den Berichten nicht möglich. Die Nordgrenze der Schütterzone des Keschisch Dagh ist ebenfalls nicht scharf zu erkennen. Im Norden scheinen andere selbständige Erschütterungsherde ihre Spuren zu verwischen. Die Linien Gemlik-Isnik(Nicäa) und Ismid(Nikomedia)-Sabandja repräsentieren selbständige Erdbebenlinien, welche den Samanli Dagh zu beiden Seiten begleiten. Ihre Zugehörigkeit zu diesem Gebirgszuge ist durch die ausdrückliche Angabe Verrollots 4), dals das Erdbeben vom 27. September 1857 sein Epicentrum daselbst gehabt habe, offenbar.

Die in einer Geraden liegenden Orte Uschak, ISchikli und Isbarta lassen sich ebenfalls mit bestimmten Gebirgszügen in Einklang bringen. Die beiden ersten weisen Gleichzeitigkeit in ihren Beben auf. Am 3., 4. und 5. Mai 1875 wurden dieselben von einer heftigen Katastrophe getroffen 5). Als Epicentrum des erschütterten Gebietes wird Tzeberli(Tchapallü), als Sitz des Bebens werden die Quellen des Mäander genannt 6). Von Tchapallü zieht sich in nordwestlicher Richtung ein Gebirgszug hin, dessen südlicher Teil Samsun Dagh genannt wird. ISchikli liegt am Nordwestende des Samsun Dagh, wo der ganze Gebirgszug durch eine Senke in zwei Teile geteilt ist. Man wird nicht fehl gehen, wenn man in diesem Gebirgszug die Ursache der Beben von Uschak und Ischikli sucht. Interessant ist die grolse Längen- erstreckung der Erdbebenwelle von Tchapallü bis Uschak. Uber ihre seitliche Ausdehnung ist leider nichts bekannt. Die Beben von Isbarta endlich, welche in die Jahre 18619, 18628), 1863) und 1889 1¹⁰) fallen, zeigen keine zeitliche Übereinstimmung mit denjenigen von Ischikli, wie man es wegen der gleichen Ent- fernung dieser Orte von Tschapallü, dem Epicentrum des Jahres 1875 erwarten dürfte. Südlich von Isbarta- streicht in ost-westlicher Richtung ein deutlich: ausgeprägter Gebirgszug. Möglicherweise ist in ihm die Ursache der Beben von Isbarta zu suchen.

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V. Betrachtung der einzelnen Schütterzonen mit besonderer Berücksichtigung der geologischen und sonstigen örtlichen Eigentümlichkeiten.

So ist es gelungen, die Gesamtheit der bekannten Erdbebenorte mit orographischen Linien in Ver- bindung zu bringen. Nun sollen die einzelnen Teile der Hauptschütterzone und die Nebenzonen näher betrachtet werden. Dabei wird besonders auf die geologischen und sonstigen örtlichen Eigentümlichkeiten Rücksicht genommen.

¹) Marcellin. Comes 46 nach v. Hoff. ²) Reclus, Nouvelle Geog. univ. IX. 1884, 511 u. A. ³) Ztschr. f. Erdk. Berl. XIV, 1879, 311. 4) Perrey, M. C. X. 5) F. Schmidt, Erdbstud.) C. W. C. Fuchs, Tchermaks Mitt. 1876.*) Perrey, M. C. XVI.*) Ebenda.) Perrey, M. C. XVII. 1⁰) Mitzopulos, Peterm. Mitt. XXXVI, 1890, 56, u. Nature XXXIX, London 1889, 305.