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wurden. Ebenso einleuchtend ist es aber auch, daſs diese Senkungen auf tektonischen Vorgängen beruhen können. Beim Faltungsprozesse wie bei Verschiebungen ist die Entstehung von Klüften eine bekannte That- sache. Während aber bei den ersteren das herausströmende Wasser als Auslaugungsmittel eine ursächliche Rolle spielt, ist es bei den letzteren nur eine zufällige Erscheinung. Von den eben angeführten Preignissen ist besonders das von G. v. Rath mitgeteilte sehr lehrreich. Dasselbe ist ein typisches Beispiel für die Kombination von tektonischen und Auswaschungsbeben. Khnlich ist wohl die Senkung auf Lemnos vom Jahre 1867 zu erklären. Der Stols, welcher von Lesbos her seine Welle nach Lemnos fortpflanzte, scheint die Auslösung der unterwaschenen Schichten veranlaſst zu haben. Bei den übrigen Ereignissen ist es schwer ein entschiedenes Urteil zu geben. Bei der Erscheinung des Jahres 1856 auf Rhodus spricht die örtliche Beschränktheit für die Auffassung, dals Unterhöhlung von Schichten die Ursache gewesen ist, zumal die Bodenverhältnisse von Rhodus, wie wir nachher sehen werden, zur Entstehung von Auswaschungsbeben an einigen Stellen sehr günstig sind. Das Erdbeben vom August 1859 hatte in seinen Anfängen eine weite Verbreitung. In Konstantinopel, Tscheschme und anderen entfernten Orten wurden die ersten Stölse ebenfalls verspürt. Die späteren Stöſse scheinen keine weiteren Gebiete in Mit- leidenschaft gezogen zu haben. Der ganze Charakter der Beben auf Imbros im Jahre 1859 macht den Eindruck, als hätte hier ein ursprünglich tektonischer Vorgang die Auslösung einer groſsen Zahl unter- waschener Schichten bewerkstelligt. Von früheren PErdbeben auf dieser Insel ist nichts bekannt. Es konnten sich also im Laufe der Zeit zahlreiche Hohlräume in den dazu geeigneten Schichten bilden. Auch hier läge wieder der interessante Fall vor, dals ein tektonisches Erdbeben die Ursache einer groſsen Zahl von Auswaschungsbeben gewesen ist. Die über Samos berichteten Thatsachen machen uns zu demselben Erklärungsversuche geneigt. Allein nach Nasse ¹) bestehen die Gebirge auf Samos wesentlich aus Schiefern und mächtigen halbkrystallinischen und krystallinischen Kalken. Dieselben sind nur in ganz geringer Menge in kohlensäurehaltigem Wasser löslich. Dieser Umstand spricht eher dafür, dals Dislokationen die Spaltenbildung verursachten.
Ziehen wir nun noch aufser der Art des Auftretens der Erdbeben die Beschaffenheit des anstehenden Gesteines zu Rat, um etwaige Auswaschungsbeben zu erkennen! Gipslager erwähnt Bukowski) in den Plyschablagerungen der Insel Rhodus. Sie kommen dort häufig, und besonders im Süden der Insel bei Sklipion, vor. Die meisten Beben von Rhodus haben eine sehr groſse Verbreitung. Ihr Schütter- gebiet erstreckt sich bald der Südostküste entlang bis Makri, bald bis zur Westküste von Kleinasien, bald schliefst es die benachbarten Inseln ein. Dieser Umstand spricht gegen die Annahme, dals die sämtlichen Erschütterungen von Rhodus dem Einbruche unterhöhlter Schichten ihre Entstehung ver- danken. Von allen Erdbeben, welche Rhodus bedroht haben, zeigen aufser den schon oben besprochenen nur diejenigen des Jahres 1860 folgende ausgesprochene Kennzeichen ³) von Einsturzbeben. Der Wirkungs- kreis der meisten Beben dieses Jahres ist sehr klein. Sein Radius beträgt nur 4„lieues“. Sehr viele Stölse sind begleitet von donnerähnlichem Geräusche. Die Zahl der Stälse ist an manchen Tagen (16. April— 10. Mai) aufserordentlich groſs. Dazwischen gab es jedoch auch Beben, die über ein grölseres Gebiet verbreitet waren. Von beobachteten Einbrüchen ist nichts bekannt. Die letzteren Faktoren sprechen für die Auffassung, daſs tektonische Vorgänge die Ursache dieser Beben gewesen seien. Wie dem auch sei, die Natur der Erschütterungen des Jahres 1860 auf Rhodus ist mit Sicherheit aus den bekannten Thatsachen nicht zu ermitteln. Möglicherweise hat man es auch hier mit dem gleichzeitigen Auftreten beider Typen von Beben zu thun. ÜGberhaupt scheint in dem vorderen Kleinasien, diesem
¹) Nasse, Ztsch. Ges. f. Erdk. z. Berl. X, 233, 1875.— ²) Bukowski, Wien. Akadber., math.-natw. Kl., XCVI, 169, 1888.— ³) Perrey, M. C. XIV.
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