5—
nach Nordosten, durchschneidet den Golf von Saros, läſst den Tekir Dagh zur Rechten und erreicht das obere Knie des Erkene; an diesem Punkte schlieſst sie sich dem Flusse von Tschorlu an. umgeht den Strandscha Dagh im Südosten und gelangt im Karamandere Thal zum Meere. Dieser letzte Teil der Grenze verläuft von Asien aus gerechnet noch jenseits der geologischen Grenze zwischen Asien und Europa. Die letztere liegt etwa 24 km ¹) westlich vom Bosporus.
Bei der Wahl der Grenzen ist darauf Rücksicht sgenommen worden, dals gleichzeitig erschütterte Gebiete nicht getrennt wurden; peripherische Gebiete, soweit sie selbständige Erschütterungsherde aufwiesen, sind ausgeschlossen worden, wenn noch andere Momente es ratsam erscheinen lieſsen. So sind Karpathos, Kasos und Kreta bei der folgenden Betrachtung unberücksichtigt geblieben, weil ihre Beben keinen Zusammen- hang mit den ihnen benachbarten Teilen des vorderen Kleinasiens erkennen lassen. Obwohl sie wegen ihrer erst in diluvialer Zeit erfolgten Absonderung vom asiatischen Kontinent als zu diesem gehörig angesehen werden können, sind sie nicht in den Rahmen des Gebietes aufgenommen worden. Bestimmend ist dafür, aulser dem schon angeführten Grund, noch die verhältnismäſsig groſse Meerestiefe zwischen Rhodos und Karpathos gewesen. Desgleichen sind Cypern und der östliche Teil der Südküste nicht in das zu betrachtende Gebiet aufgenommen, weil die Daten ihrer Erschütterungen deren engen Zusammenhang mit den syrischen Beben erkennen lassen, und Cypern auch orographisch zu Syrien gehört. Schon J. Schmidt ²) bemerkt, dals die Erdbeben Griechenlands und der griechischen Inseln im allgemeinen unabhängig von denjenigen Kleinasiens sind. Bei der Durchsicht der Erdbebenkataloge habe ich diesem Umstand meine besondere Aufmerksamkeit geschenkt; ich bin in der Lage, die Bemerkung Schmidts voll und ganz bestätigen zu können. Für den Einschluls des Marmarameeres und der byzantinischen Halbinsel spricht auſser dem schon angegebenen Grunde auch der enge Zusammenhang seiner Erdbeben mit solchen des vorderen Klein- asiens. Die zuweilen gleichzeitig mit Konstantinopel erschütterten Städte Lule Burgas, Demitoka und Adrianopel dagegen sind, weil sie auf ein anderes Erdbebengebiet hinweisen, ausgeschlossen worden.
II. Resultate des Kataloges. 1. Uberblick über die Zahl der bekannten Erdbeben.
Folgende Tabelle soll einen allgemeinen Überblick über die Zahl der überlieferten Erdbeben gewähren, welche in historischer Zeit das soeben gekennzeichnete Gebiet heimgesucht haben. Fs sind darin folgende Zeitabschnitte unterschieden:.
1) Die letzten fünf Jahrhunderte vor Christi Geburt.
2) Vom Beginne unserer Zeitrechnung bis 1699 incl. In diesem Zeitraume schwankt die Anzahl
der in jedem Jahrhundert überlieferten Erdbeben nicht erheblich.
3) Das XVIII. Jahrhundert.
4) Die Jahre 1800— 1849 incl.
5) Die Jahre 1850— 1885. Innerhalb dieses Zeitraumes ist die Registrierung der Erdbeben—
daten ziemlich genau.
6) Die Jahre 1886— 1890. Sie stehen bezüglich der Genauigkeit der Aufzeichnung der Erschütte-
rungen weit hinter dem vorigen Abschnitte zurück.
Für jeden der 6 Zeitabschnitte sind die Erdbeben-Jahre und-Tage angegeben. Die Anzahl der Stölse dagegen ist nicht mitgeteilt, da dieselbe zu geringes Vertrauen verdient. Die Tabelle enthält die
¹) Tchihatcheff, As. Min. IV, 1. Karte.— ²) Erdbebenstudien 2. Aufl. Leipz. 1879, p. 140.


