Aufsatz 
Die Erdbeben des vorderen Kleinasien in geschichtlicher Zeit
Entstehung
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Angaben für das ganze Gebiet derart. dals ein Tag nur einmal gezählt ist. auch wenn an ihm verschiedene

Orte getroffen wurden.

Tage.

Zeitabschnitt. Jahre. ereee N

geuannt. Angaben goschütat Gesamtzahlen. V. Jahrh. v. Chr. bis Chr. Geb.... 12 Keine angegoben. 20 1 1699......... 144 189 900 1000 1700 1799......... 37 143 90 230 1800 1849......... 31 158 158 1850 1885......... 35 952 952 1886 189909......... 4 37 10 45 In der historischen Zeit... 263 1479 1000 2405

Aus den Daten dieser Tabelle erkennt man, wie mit fortschreitender Kultur im Laufe der Jahr- hunderte die Angaben der Zahl der Erdbebentage und Erdbebenjahre zunehmen und bestimmter werden. Wäͤhrend in die früheren Jahrhunderte bezw. 2,4, 8,5, 37 Erdbebenjahre fallen, hat das XIX. Jahrhundert 77,8 Erdbebenjahre zu verzeichnen. Hierbei ist für die noch fehlenden 10 Jahre eine nach den Zahlen der vergangenen Jahre berechnete Mittelzahl angenommen worden.

Zur Berechnung der mittleren Häufigkeit der Erdbeben im vorderen Kleinasien halte ich die Daten der Jahre 1850 1885 für geeignet. Innerhalb dieses Zeitraumes haben mehrere tüchtige Bericht- erstatter die Erdbeben ihres Wohnortes sorgfältig aufgezeichnet und ihre Aufzeichnungen veröffentlicht. Im Vergleich zur Gröſse des Gebietes ist jedoch die Zahl der Berichterstatter und der Beobachtungsorte sehr gering. Sicherlich ist eine groſse Zahl von Erdstölsen ihrer Wahrnehmung und Kenntnis entgangen. Man kann daher unbedenklich die Mittelzahlen der Jahre 1850 1885 als Malszahlen für die mittlere Häufigkeit der Erdbeben im vorderen Kleinasien annehmen, selbst wenn die gegenwärtige Epoche besonders reich an Erschütterungen wäre, für welche Annahme auch nicht ein einziger Grund angeführt werden kann. Wahrscheinlich ist aber das so bestimmte Mittel noch zu klein.

Darnach vergeht also kein Jahr, in welchem die Erde nicht an irgend einem Punkte des vorderen Kleinasiens bebt. Ja sogar durchschnittlich an 27 Tagen jeden Jahres werden einzelne Bewohner von der unheimlichen Erscheinung in Schrecken gesetzt. Auf jeden Monat fallen also im Mittel zwei Erd- bebentage.

Vergleicht man mit dieser mutmaſslichen Zahl der Erdbeben-Jahre und-Tage die Zahl der im Laufe der geschichtlichen Zeit aufgezeichneten und uns überlieferten Erschütterungen, so weist die aufser- ordentliche Differenz darauf hin, dals die Erdbeben dieses Gebietes im allgemeinen keine verheerende wirkungen zeigen. Die meisten Beben werden deshalb einer Aufzeichnung nicht für wert erachtet ¹).

2. Die Erdbebenorte des Gebietes.

In der beigegebenen Kartenskizze ²) sind alle Orte eingetragen, welche in dem zusammengestellten Kataloge auch nur wegen eines Bebens genannt sind; denjenigen, welche öfters wegen Erschütterungen erwähnt werden, Sind zwei Mittelzahlen beigefügt, welche nach den Daten der Jahre 1850 1885 berechnet

¹) IHI. H. Humann und Mitzopulos bestütigten mir die Übereinstimmung dieses Schlusses mit der Thatsache. ») Dieselbe ist nach HI. KiepertNouvelle Carte générale des Provinces Asiatiques de'Empire Ottomun

1:1,500000 Berlin 1884 im Mafsstabe 1:3 Mill. entworfen.