Aufsatz 
Über Sophokles Aias / von Weismann
Entstehung
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sonst ganz streng gehaltenen Kommos die Zahl der lamben gleichgültig sein könne. In überzeugender Weise hat Piderit, S. 88 ff., auch dem Inhalte nach die Integrität der ganzen Stelle vertheidigt.

35. zu S. 18 Z. 7. Dass mit Agamemnon auch Menelaos wiederkomme, wie Welcker, S. 328, N. 114, und Piderit, S. 55, annehmen, ist mir höchst unwahrscheinlich. Denn so kleinlich Menelaos auch denkt, so musste ihn doch die Scham abhalten als Untergebener dahin zurückzukehren, wo er kaum eben noch erfolglos versucht hatte den Herrscher zu spielen; und gesetzt auch er wäre wirklich wiederge- kommen, so hätte es der leidenschaftliche, wildaufgeregte Mann gewiss nicht über sich gewinnen können während der ganzen folgenden Scene zu schweigen. Des Teukros höhnende Worte im V. 1115 f. können für das was Menelaos nachher thut unmöglich als Beweis gelten. Eben so wenig lässt sich aus V. 1309 auf Menelaos Anwesenheit schliessen. Denn die Worte Sabetre é-μας e können nicht auf Agamemnon,

Menelaos und Teukros, sondern müssen vielmehr auf Teukros, Tekmessa und Eurysakes bezogen werden. Die dagegen aufgebotene Vergleichung von V. 1089 f. und Eurip. Phön. 1657 f. zeigt Helmehr, dass, wenn unsere Stelle eine ähnliche Drohung enthalten sollte, es statt 7αμας heissen müsste Tdu. Die

Drohung des Teukros kann doch nicht zugleich gegen ihn selbst gerichtet sein. Wunder und Schneidewin geben die richtige Erklärung der Stelle. Auch in den Worten des Odysseus,ϑ⁴α S0 1reειισ G. 1319) liegt durchaus keine Nöthigung Menelaos gegenwärtig zu denken, da derselbe jedenfalls bei seiner zweiten Anwesenheit, wenn sie wirklich stattfand, nichts gesprochen hatte, also välxend dieser Zeit Odysseus seine Stimme nicht gehört haben konnte.

36. zu S. 18 Z. 29. Nur einmal weist er Agamemnon mit einer gewissen Schärfe zurecht, V. 1359 7 zdꝑα τπ⁷⁵οι ννυ Hοι τα˙σιιςι παιιηη. Ich glaube diesen Vers anders verstehen zu müssen,

als dies, so viel ich weiss, von allen Erklärern geschehen ist. Nach meiner Ansicht gibt Odysseus hier den Vorwurf des Wankelmuthes dem Agamemnon zurück, der vor wenigen Augenblicken erst(V. 1331) ihn seinen besten Freund genannt hat und jetzt so bitter gegen ihn wird. Agamemnon ignorirt in seiner Antwort die erhaltene Zurechtweisung und thut als habe Odysseus nur seiner eigenen Betiaubtung(V. 1358) beigestimmt. Doch lenkt er gleich darauf zum Nachgeben ein.

37. zu S. 18 Z. 7 v. u. Als ein störender Missklang könnte es erscheinen, dass Teukros den Odysseus von dem Leichnam fern halten zu müssen glaubt(vergl. Anmerk. 32 Ende), weil dem Todten seine Berührung unangenehm sein mõchte. Es wird uns dadurch das Gefühl erweckt, dass doch bei Aias die frühere Abneigung nicht ganz als verschwunden zu denken sei. Die blosse Hinweisung auf Odyss. XI, 543 fl. reicht nicht aus den Dichter vollständig zu rechtfertigen, da er durch Homer's Vorgang nicht unbedingt gebunden war und, wenn er sich auch mit der dem ganzen Publicum bekannten Sage nicht in Widerspruch setzen wollte, doch jedenfalls den Punkt des Anstosses ganz hätte vermeiden können. Ein neuerer Dichter würde gewiss die Versöhnung haben vollständiger erscheinen lassen. Die alten Dichter hielten sich aber viel zu fern von einer sentimentalen Ausschmückung der menschlichen Natur, als dass sie bei einem so starren Sinne, wie der des Aias war, den erbitterten Hass urplötzlich hätten in herzliche Zuneigung umschlagen lassen. Die Erbitterung und der Hass gegen Odysseus ist durch dessen edles Beneh- men auch aus Aias Seele getilgt; dies lässt das Verhalten des Teukros uns ahnen. Aber herzliche Zuneigung konnte bei dem Todten nicht wohl vorausgesetzt werden gegen den, der die wohlverdienten Ehren ihm mit Erfolg streitig gemacht hatte und so die erste Ursache seines Untergangs geworden war. Nur von den Nächsten