Aufsatz 
Über Sophokles Aias / von Weismann
Entstehung
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44 . Aias weiter sich nicht entfernt haben könne, gewiss von dem Ufer weggewendet und mehr landeinwärts den Rückweg eingeschlagen haben. So mussten sie auf einem Punkte zusammentreffen, der nicht in der Nähe des Zeltes, aber doch im Verhältniss zu dem von ihnen zurückgelegten Wege nicht so entfernt war, dass nicht auch die schwächeren Kräfte der Tekmessa, die wohl gleich landeinwärts ging, genügt hätten un denselben in der gegebenen Zeit zu erreichen. Dass Aias sich nicht am Meeresufer tödtet, darauf scheint mir auch der Umstand hinzudeuten, dass er in seiner letzten Apostrophe nicht, wie V. 412 f, das Meer erwähnt. Was Piderit, S. 35, als entscheidend für seine Ansicht betrachtet, dass wir nämlich das Vorhandensein des Aiaszeltes auf der Bühne noch ganz am Ende des Stückes voraussetzen müssten und somit, den ersten Scenenwechsel angenommen, auch noch ein zweiter nothwendig werden würde, für den sich nirgends ein passender Anknüpfungspunkt finden lasse, beruht auf der Voraussetzung (S. 40), dass während der Entscheidungsscene, die den Streit des Teukros mit Agamemnon und des Odysseus Vermittlung enthält, das Grab des Aias in der Mitte der Bühne dicht an Aias Zelt bereitet werde. Diese Annahme widerlegt sich aber dadurch, dass Teukros, um die Grabstätte zu bestimmen, nach V. 1184(vergl. mit V. 1165) die Bühne verlässt, die Grabstätte also jedenfalls ausser- halb des auf der Bühne dargestellten Raumes zu denken ist. Mir scheint dagegen für einen Scenenwechsel der Umstand entscheidend, dass sonst nicht nur die Sterbescene, sondern auch der Mittelpunkt der ganzen nachfolgenden Handlung denn das bleibt doch Aias Leichnam bis zum Ende des Stückes in eine Ecke oder wenigstens auf die eine Seite der Bühne gedrängt und somit in allen diesen Scenen dem Zuschauer theils ein einseitiges, theils ein verschobenes Bild vorgeführt werden würde. Dieser Uebelstand, der mit der sonstigen Anordnung griechischer Kunst schlechthin unvereinbar ist, wird nicht beseitigt, sondern nur in seiner Dauer verkürzt, wenn man mit Müller und Piderit annimmt, dass schon vor dem Auftreten des Menelaos eine Versetzung des Leichnams in die Mitte der Bühne stattfinde. Aber selbst diese Annahme ist wohl kaum zu erweisen; denn V. 1047 f., worauf Piderit sich beruft, ist recht wohl verständlich, auch wenn beim Erscheinen des Menelaos noch durchaus keine Anstalten zur Beerdigung gemacht sind, indem dieser auch ohne dies wissen muss, dass die Angehörigen den Todten nicht würden unbeerdigt lassen wollen. Zudem spricht V. 1410 ff. deutlich genug dafür, dass eine Ortsveränderung mit dem Leichnam früher nicht vorgenommen worden ist, indem man sonst damals schon, wie es jetzt geschieht, durch Höherlegen des Oberkörpers das Hervorquellen des Blutes aus Mund und Nase verhindert haben würde. Ich glaube, Müller und Piderit haben die Schlussscenen viel zu künstlich angeordnet. Ich denke mir, um gleich hier meine Ansicht über diesen Punkt kurz zusammenzufassen, Aias während des Monologs und Selbstmordes in dem mittleren Hintergrunde der Bühne. Dort bleibt auch sein Leichnam Schauspieler, welcher den Aias darstellte, musste kurz nachher als Teukros wieder auftreten) bis zu Ende liegen, nur dass er, anfangs durch Gebüsch etwas verdeckt, nachher von Teukros, indem dieser das Schwert aus der Wunde zieht(V. 1024), den Blicken der Zuschauer deutlicher sichtbar hingelegt wird. Der Leichnam zusammen mit der in Schmerz versunkenen Tekmessa und dem unschuldigen Kinde, im Vordergrunde rechts Teukros mit den Seinigen, links anfangs Menelaos, dann Agamemnon mit seinem Gefolge, späterhin auch Odysseus, gegen Ende aber alle dem Aias Fernerstehenden nach beiden Seiten hinwegziehend(links Agamemnon mit seinem Gefolge und Odysseus, rechts die Mannen des Teukros, welche das Grab bereiten sollen; der Chor verlässt nach links hin die Orchestra um von Hause das zum Bad Erforderliche und den Waffenschmuck des Aias zu holen), so dass nur die Gruppe im Hintergrunde