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32. zu S. 15 Z. 29. Die Annahme, dass ein Scenenwechsel stattfinde, hat O. Müller(Götting. gel.
Anz. 1838, S. 1100 f.; kleine deutsche Schrift. I, S. 304 f.; Gesch. der griech. Lit. II, S. 62) und neuer- dings Piderit, S. 33 ff., angefochten; auch Schneidewin, in seiner Ausg. S. 12, setzt einen solchen nicht voraus(Welcker, S. 327, N. 113, wenigstens keinen vollständigen, ohne sich jedoch näher darüber auszusprechen). Sie lassen vielmehr den Selbstmord des Aias in der Wald- und Bergpartie stattfinden, die auf der rechten Seite der Bühne an das Zelt des Aias sich anschliessend zu denken sei Gergl. Anm. 7). Man mag aber immerhin zugeben, dass das griechische Publicum auf eine möglichst vollständige Illusion wenig Gewicht legte, dass dasselbe vielleicht keinen Anstoss daran nahm Aias zur Ausführung seines Vorhabens einen Ort wählen zu sehen, wo er hätte die Seinigen treffen müssen, wenn diese nicht mittlerweile, aber ohne sein Wissen, denselben verlassen hätten, sondern sich eben damit begnügte den Ort jetzt menschenleer zu sehen; dass andrersefs die Länge des Prosceniums bedeutend genug war um das, was auf der rechten Seite desselben geschah, nicht allzunahe an das in der Mitte der Hinterwand dargestellte Zelt des Aias herantreten zu lassen. Man mag fernerhin auf den Einwand verzichten, dass Tekmessa nach V. 989, um den bei den Zelten zurückgebliebenen Eurysakes zu holen, die Bühne verlasse, während doch das Zelt des Aias auf der Bühne ist, da man allerdings wohl annehmen kann, dass sie nicht zur Seite abgegangen, sondern in das Zelt hineingetreten sei, oder wenn dabei ihr langes Ausbleiben unerklärlich erscheinen sollte, dass das sich selbst überlassene Kind in den Zeltreihen, die von der Bühne aus nach links hin forigesetzt zu denken sind, sich verlaufen und Tekmessa es dort gesucht habe. Aber dass der Ort, welcher schon vom Beginn des Stückes an sichtbar war, nun auf einmal als der NGνοος dmιε gelten soll, den Aias zum Selbstmord ausgewählt hat, noch mehr, dass Aias nach langem Suchen wieder dahin zurückgeht, wo er hergekommen ist, als hätte er keinen besseren Platz gefunden, scheint so sehr ins Gebiet des Komischen zu streifen, dass wohl auch der Gutmüthigkeit des athenischen Publicums ein Dichter solches nicht bieten durfte. Ich sehe auch in der That keinen Grund, weshalb man einen Scenenwechsel unzulässig finden müsste. Dass eine theilweise Veränderung der Bühnendecoration mittelst der Periakten dem griechischen Theater nicht fremd war, ist unbestritten. Sollte denn nun die freilich nicht durch ausdrückliche Nachrichten verbürgte Annahme, dass die doch sonst in der Mechanik nicht ungeschickten Griechen nach Bedürfniss wohl auch einmal weiter gegangen seien und eine mehr oder minder vollständige Umgestaltung der Scene hätten eintreten lassen, so allzukühn erscheinen, dass man um derselben zu entgehen lieber bis aufs Aeusserste die Gefügigkeit der Zuschauer in Anspruch nehmen müsste? Uebrigens ist es nicht einmal nöthig einen totalen Wechsel der Decorationen anzunehmen, da der Wald und die Hügel zur rechten Hand wohl stehen bleiben und doch mit der veränderten Decoration der übrigen Bühne zusammen als etwas Neues erscheinen konnten; nur wird freilich mit dieser Annahme wenig gewonnen. Wenn Müller gegen einen Scenenwechsel auch den Umstand anführt, dass der Chor den Aias auf seiner weiten Wanderung nach Osten und Westen nicht gefunden hat, sondern erst jetzt, wo die beiden Hemichorien auf dem Rückweg wieder zusammentreffen, dem Orte nahe kommt, wo Aias sich in sein Schwert gestürzt hat, und dass die offenbar mehr in der Nähe gebliebene Tekmessa es ist, welche den Leichnam auffindet, so scheint mir dies vielmehr für die von Müller bekämpfte Ansicht zu sprechen. Ich glaube, man kann nicht füglich annehmen, dass die beiden Halbchöre so unverständig gewesen seien auf demselben Wege, wo sie Aias nicht gefunden, wieder zurückzukehren. Waren sie also zuerst am Meeresufer hin in west- licher und östlicher Richtung auseinander gegangen, so werden sie sich nachher, als sie glaubien, dass


