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und dem Heeresfürsten gegenüber nicht gerechifertigt habe, am wenigsten nach unserer christlichen Denkweise, wohl aber glaube ich den Vorwurf verruchten Hohnes entfernt zu haben. Was übrig bleibt, vermessene Selbstüberschätzung, die sich nicht beugen kann, musste zwar gewiss auch den Alten als ein Makel erscheinen, doch nicht als ein solcher, der mit der Bedeutung eines tragischen Heros unvereinbar wäre.— Lässt sich Welcker's und Thirlwall's Ansicht, dass Aias in seiner Rede keine Täuschung beabsichtige, sondern, nur schonend verhüllt, durchweg die reine Wahrheit spreche, nicht halten, so fällt damit natürlich auch die Hauptstütze der Annahme einer in Aias vorgegangenen moralischen Sinnesänderung. Gegen diese Annahme streitet aber auch auf das entschiedenste der Umstand, dass in dem Monolog, mit welchem Aias aus dem Leben scheidet, keine Spur einer solchen Sinnesänderung oder gar einer Reue über sein bisheriges Verhalten und des Wunsches mit den Göttern versöhnt zu werden sich findet; und doch ist es kaum glaublich, dass der Held in dem Augenblick, wo er seine letzte Rechnung abschliesst, das Wichtigste von Allem unerwähnt und der Dichter die Gelegenheit diese bedeutsame Wendung der Tragödie schärfer als bisher geschehen hervorzuheben unbenutzt gelassen haben sollte. Dass eine Sinnesänderung des Aias, abgesehen davon ob in unserem Stücke Anzeichen für eine solche vorhanden sind, überhaupt mit der Natur des Helden unvereinbar war, hat Schwenck(die sieben Tragödien des Sophokles, S. 61 f.) vortrefflich nachgewiesen. Es scheint mir, Welcker und mit ihm Thirlwall haben der Annahme, dass unsere Tragödie in der Einleitung der religiösen Verehrung, welche dem Aias in Athen zu Theil ward, ihr letztes und höchstes Ziel habe, zu viel Gewicht eingeräumt, und ausserdem von der ldee, dass der Charakter des tragischen Helden den moralischen und religiösen Ueberzeugungen des Dichters conform sein oder wenigstens werden und in seiner Vollendung als mustergültig erscheinen müsse, ja sogar von Einmischung christlicher Anschauungsweise sich nicht hinreichend fern gehalten.
29. zu S. 14 Z. 5. Hierin und gewiss nicht blos, wie der Scholiast meint, in der Erreichung des rein äusserlichen Zweckes nach dem Weggang des Aias eine Pause zu gewinnen, damit ihn der Bote nicht mehr trifft, ist die eigentliche Bedeutung dieses Tanzliedes zu suchen, das übrigens auch durch die Situation und durch die Stimmung des Chores aufs genügendste motivirt wird.
30. zu S. 14 Z. 9 v. u. Hierin hat Rothe(über Composition u. Idee des sophocleischen Ajax, Progr. des Gymn. zu Eisleben 1850, S. 12 Note) vollkommen Recht, nicht aber, wie mir scheint, wenn er„diese sonst unerklärliche Zögerung des Teukros“ aus dem trilogischen Zusammenhang unseres Stückes mit einem folgenden erklärt, welches den Teukros zum Haupthelden hatte und in welchem die Schuld des Teukros zum Theil aus dem hergeleitet werden musste, was er im Aias thut oder unterlässt. Denn gesetzt auch dieser trilogische Zusammenhang wäre wirklich vorhanden, was ich bezweifle(vergl. K. F. Hermann, Berliner Jahrb. für wissenschaftl. Kritik 1843, Nr. 105 ff.), und die Zögerung des Teukros hätte für das folgende Stück die angegebene Bedeutung, so würde damit doch nur die Absicht, in welcher der Dichter diese Zögerung eintreten liess, erklärt, keineswegs aber derselbe von dem Vorwurf befreit sein dem Teukros eine sowohl mit seiner treuen, liebevollen, eifrig und energisch thätigen Natur als auch mit den obwaltenden Verhältnissen unvereinbare Handlungsweise zugetheilt zu haben.
31. zu S. 15 Z. 2. So bei dem Wächter in der Antigone und bei dem Boten im König Oedipus. Einen solchen leise komischen Zug finde ich bei dem Boten unseres Stückes auch in V. 792, wo er das uGν ν⁴νααͥμαρν der Tekmessa gewissermassen auf die Goldwage legt. Nur muss man dies nicht als
ein Zeichen gefühlloser Rohheit auffassen, sondern vielmehr als einen aus Zartgefühl entsprungenen ver- legenen Versuch der directen Bejahung auszuweichen.


