Aufsatz 
Über Sophokles Aias / von Weismann
Entstehung
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aber enthalten allerdings geradezu, nur durch doppelsinnigen Ausdruck leicht verhüllt, die volle Wahrheit dessen, was Aias zu thun vorhat. Man sieht, Lüge und Verstellung sind seiner Natur so fremd, dass er unwillkürlich deutlich und immer deutlicher, je weiter er in seiner Rede vorschreitet, die Wahrheit durchblicken lässt. Aber die Verhüllung reicht doch gerade hin um die durch den Anfang der Rede bewirkte Täuschung in Gemüthern, die so bereitwillig jedem Hoffnungsstrahl sich öffneten, aufrecht zu erhalten und man wird nicht mit Welcker und Thirlwall annehmen dürfen, dass der Dichter etwas zu wenig gethan um das Getäuschtwerden des Chors und der Tekmessa wahrscheinlich zu machen, und noch weniger die Schwüche dieser Verhüllung als Beweis dafür betrachten können, dass Aias gar nicht täuschen wolle. Denn auch der Auftrag an Teukros, der hauptsächlich den Schleier zu weit zu lüften scheinen könnte, wird sich uns nicht mehr in diesem Lichte darstellen, sobald wir bedenken, dass, auch wenn Aias leben blieb, und besonders während seiner wenn auch nur kurzen Abwesenheit, die Hälfe des Teukros gegen das erbitterte Heer dringend nothwendig werden konnte(V. 254). Wenn Welcker und besonders Thirlwall gegen die Annahme, dass Aias die Seinigen täuschen wolle, auch den Grund anführt, dass, die Unwahrheit der Rede im Ganzen vorausgesetzt, auch alles Einzelne in derselben als unwahr und erheuchelt erscheinen müsste, also insbesondere auch das Mitleid für Tekmessa und seinen Sohn und die demselben zu Grunde liegende Liebe, wie sie gegen den kleinen Eurysakes in der vorigen Scene so ergreifend ausgesprochen ist, so könnte diese Folgerung nur dann zugegeben werden, wenn Aias eine böswillige Täuschung beabsichtigte, nicht aber wenn diese Täüuschung selbst nur ein Ausfluss der Liebe ist, die den Geliebten einen bittern Schmerz ersparen will. Ungleich erheblicher ist der Einwand, welchen Welcker und Thirlwall von den Vorsätzen hernehmen, die Aias ausspricht, besonders in Bezug auf die Götter. Dass diese Vorsätze nicht als schlichte Wahrheit, sondern ironisch verstanden werden müssen, wenn die ganze Rede auf Täuschung berechnet ist, habe ich schon oben anerkannt. Doch wird Aias dadurch noch keineswegs zu einem blasphemer uwho insults the gods. Nicht gegen die Götter ist seine Ironie gerichtet, sondern gegen ihn selbst, indem er sich ein Verhalten vorschreibt, das seinem innersten Wesen widerstreitet. Aias ist kein αeςε*ε. Aber eine euegeic, wie die des Odysseus, welche diesen zu Athene sagen lässt: Tdντασα va* rd τ ονν ιπαἀςοο eigeneira uevuaæ YeOi, liegt nicht in seiner stolzen, der ihm inwohnenden göttergleichen Kraft bis zum Uebermass vertrauenden Natur; zu einer solchen, die eigne Selbstständigkeit der höheren Leitung unbedingt opfernden Fügsamkeit kann er sich nicht überwinden. Doch hat er erkannt, wie deshalb der übermächtige Zorn der Gottheit ihn verfolgt, und will demselben weichen, indem er freiwillig aus dem Leben scheidet. In diesem Sinne ist es ihm vollkommen ernst mit dem absichtlich gewählten doppelsinnigen Ausdruck eloονμνέ να ε elwety. Auch zur Anerkennung der Würde eines höheren Herrschers brauchen wir Aias nicht unfähig zu denken, wohl abèer war es ihm unmöglich in der demüthigen Weise sich unterzuordnen, wie die hochfahrenden, fremde Selbstständigkeit missachtenden Atriden es in Anspruch nahmen(vergl. den Streit bei der Leiche), und nur die Ablehnung einer solchen Unterordnung werden wir in dem ironischen Entschlusse ArOeid deεety suchen dürfen.

Dabei ist auch wohl zu beachten, dass Aias den Vorsatz'εκοςσ etxet etc, aus dem Missgeschick herleitet, das ihn bisher getroffen(ourto ι mᷣενον eto. 101³% etc.), also aus Klugheitsrücksichten. Gerade solche aber lagen seiner Natur am fernsten, weshalb auch jene von Bias herrührende Sentenz des berech- nenden Egoismus der ονbενν ουςσναμμισσονπταςσ να 1⁶μμσεενε⁹ς ¹lſcovtag, die er ironisch sich aneignet,

für ihn keine Geltung haben kann. Ich weiss woͤhl, dass ich mit dem Gesagten Aias Haltung den Göttern 11