Aufsatz 
Über Sophokles Aias / von Weismann
Entstehung
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vorgegangene Sinnesänderung und die Erkenntniss seines Unrechts und Reue über dasselbe kund gihbt, kann ich mich trotz Welcker's meisterhafter Auseinandersetzung und trotz Thirlwall's und Thudichum's Zustimmung nicht überzeugen. Gleich der Eingang, wo Aias sagt, er sei erweicht von den Bitten und Thränen der Tekmessa, so wahr dies auch an und für sich sein mag, enthält doch unbedingt eine Täuschung, da Tekmessa und der Chor nach dem Vorausgehenden diese Worte gar nicht anders verstehen können, als dass das rührende Flehen seines Weibes sich den Seinigen zu erhalten endlich Eingang in seinem Herzen gefunden habe. In dieser Auffassung muss der Zusatz sie bestärken, durch welchen er erklärt, inwiefern er erweicht sei: oixreioc ds viy viOeẽ μ ⁵ννς πασντ³d τν ευνορσάσάνννν mπσαεν Diese Worte für sich allein betrachtet sind allerdings auch vollkommen wahr; unwahr aber sind sie, insofern er das olwceiget als Folge einer in ihm vorgegangenen Umstimmung hinstellt, wonach sie für Tekmessa und den Chor nichts Anderes bedeuten können, als dass er durch das Mitleid mit Weib und Kind von seinem Entschlusse aus dem Leben zu scheiden abgebracht worden sei. Die Täuschung wird fortgesetzt, indem er mit&&λ* lut etc. eine Handlung anzudeuten scheint, die er statt der von ihm aufgegebenen vornehmen

wolle, während er doch gerade die zu vollbringen im Begriffe ist, welche nach den vorausgehenden Worten die Seinigen als aufgegeben betrachten müssen. Für sich allein, ausser Zusammenhang mit dem Vorigen, können allerdings auch diese Worte als eine nur verhüllte Wahrheit angesehen werden, wenn man annimmt, dass Aias seinen Tod als Reinigung und Sühne betrachte und bei dem 0νυνιυ τον εέeμφςρ τονηmν an das Feststecken des Sehwertes denke, in das er sich stürzen will. Diese Möglichkeit hört aber auf bei den Worten&mνννπα m5μυ,¶õM0zg öꝓeraæt etc. Diese lassen durchaus keine andere Deutung zu, als dass Aias sein Schwert vollständig und für immer vergraben wolle, damit es fernerhin nicht Unheil wirke, und enthalten also schlechthin und unbedingt etwas Fingirtes. Die Richtigkeit des bisher Gesagten angenommen, läugnet auch Welcker nicht, dass die folgenden moralischen Betrachtungen und Entschliessungen nicht als schlichte Wahrheit aufzufassen sind. Dieselben sind freilich, obwohl auch sie zur Täuschung des Chors und der Tekmessa beitragen, nach meiner Ansicht nicht blos zu diesem Zwecke bestimmt, sondern sie sprechen, nur in ironischer Form, die Erkenntniss dessen aus, was er thun müsste, wenn er, frei von fernerem Unheil, fortleben wollte, was aber mit seiner Natur unvereinbar ist. Die Ironie verräth sich, abgesehen von dem Contrast, in welchem das Gesagte mit Aias Sinnesweise steht, theils in der Anwendung des Wortes G⁶⁴ꝓειιν in Bezug auf die Atriden, während dasselbe, wenn auch zuweilen von irdischen

Herrschern gebraucht, doch vorzugsweise das geziemende Verhalten gegen die Götter bezeichnet, theils in dem Plural Aroεεν, während doch nur dem Agamemnon als oberstem Feldherrn Ehrfurcht gebührte, Menelaos aber, obwohl er es, wie wir im weiteren Verlauf des Stückes sehen, liebte seine Siellung mit der des Bruders zu identificiren, von den ihm gleichstehenden Fürsten nimmermehr unter- thänige Ehrfurcht in Anspruch nehmen konnte. Namentlich aber zeigt sich die Ironie auch in dem, was Welcker als gefühlvolle Betrachtung der Natur bezeichnet, nämlich in der ganz gegen Aias sonstige Art wortreichen Anführung jener herkömmlich die Nothwendigkeit gefügiger Unterordnung motivirenden Phrasen, die, eben weil sie von der leblosen Natur hergenommen sind, für menschliche Verhältnisse wohl als schmückende Vergleichungen, dienen, keinenfalls aber etwas beweisen können. Doch wenn auch, wie gesagt, diese ironisch moralisirende Stelle nicht eigentlich auf Täuschung berechnet ist, so trägt sie doch unverkennbar durch ihre Verbindung mit dem Vorigen zur Erhöhung der Täuschung bei. Die Schlussverse