Aufsatz 
Über Sophokles Aias / von Weismann
Entstehung
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des Kalchas eine eigne Erfindung des Dichters sei, gilt gewiss auch von dem versöhnenden Schluss der Tragödie, zu welchem freilich schon Homer Odyss. 11, 553 ff. einen Anhalt darbot.

14. 2u S. 6 Z. 3 v. u. Ein geistreicher Auſsatz on the Irony; of Sophocles von Thirlwall steht in dem Philological Museum, Cambridge 1830, p. 483 537; derselbe ist neuerdings auch in Schneidewin's Philol. Jahrg. VI, S. 81 104 u. 254 277 ins Deutsche übertragen worden. Der Verfasser unterscheidet zwischen verbal und pructieal irons; und weist die Anwendung der letzteren, welche beruht auf dem Contrast zwischen dem menschlichen Meinen, Hoffen und Fürchten und der Wirklichkeit, für Sophokles im Einzelnen nach.

15. zu S. 7 Z. 10. Thirlwall S. 509(Schneidewin's Philol. S. 254 f.) hält es für durchaus unzulässig anzunehmen, dass in diesen Worten die Grundidee oder, wie er es nennt, die Moral der Tragödie ausgesprochen sei. Er meint vielmehr, der Zweck dieser und der vorausgehenden Reflexionen sei der gewesen, für die Betrachtung der andern Seite des Gegenstandes, der durch sein schweres Unglück bei Aias bewirkten Erhebung zu Selbsterkenntniss und Selbstbeherrschung vorzubereiten. Der positive Theil seiner Ansicht hängt offenbar zu eng mit seiner Auffassung des weiteren Verlaufs der Tragôdie zusammen, als dass derselbe schon hier besprochen werden könnte. Nur den negativen Theil wollen wir ins Auge fassen. Thirlwall führt als ersten Grund an, dass es dem Brauche aller grossen Dramatiker zuwider sei die Moral ihrer Stücke in bestimmten Worten darzulegen, zumal am Anfang derselben. Allerdings ist das haeec fabula docet oder his demonstrare voluit auctor versibus so unpoetisch wie möglich. Etwas ganz Anderes aber ist es, wenn die Personen des Dramas selbst durch die Situation, in der sie sich befinden, zu Betrachtungen veranlasst werden, die mehr oder minder deutlich den Grundton der Tragödie anklingen. Es würde unnatürlich sein von dem Dichter zu verlangen, dass er solche Betrachtungen unterdrücken solle, zumal wo sie, wie hier, durch das Erschütternde der vorausgegangenen Scene so dringend nahe gelegt sind. Dass hierbei Anfang öder Ende des Stückes keinen Unterschied machen könne, leuchtet ein. In unserem Falle aber sind diese Betrachtungen, in welchen die Grundidee des Dramas ausgesprochen ist, deshalb schon an dieser Stelle besonders zweckmässig, ja geradezu nothwendig, weil dadurch das Gesetz, von welchem abirrend Aias in Schuld verfallen ist, dargelegt und der klägliche Sturz des Helden motivirt, somit also das Empörende, welches sonst derselbe für jedes menschliche Gefühl haben müsste, gemildert und gesänftigt wird. Thirlwall meint aber ausserdem, wenn die Reflexionen am Schlusse des prologs die Moral des ganzen Stückes enthielten, so würde der Eindruck derselben im weiteren Verlauf der Hlandlung immer mehr und mehr verwischt werden, da mit der allmählichen Rückkehr des Aias zu ruhiger Sammlung allmählich auch der Schrecken und das Mitleid sich vermindere, womit der Anfang des Stückes die Zuhörer so mächtig erfüllt habe. Dies scheint mir aber eine sehr bedenkliche Behauptung. Denn abgeschen von der wachsenden persönlichen Theilnahme für den Helden, die das Gefühl immer empfäng- licher macht, wirkt doch gewiss, eine so grausige Erscheinung Aias in seinem Wahnsinn auch sein muss, ein wieder zur Besinnung gelangter Aias unter den Zeugen seines Wahnsinns und in der niederschmet- iernden Erkenntniss seiner Schmach noch weit ergreifender auf das Gemüth(vergl. die Worte der

30& öTra di e ee e ed;), und we Ulerdi Tekmessa, V. 277: do εσπσ mπωάντα ς τ εs ιιιν ꝙναuαχάα;), wenn auch allerdings, wie

Thirlwall bemerkt, Aias den Tod nicht als ein Uebel, sondern als eine sichere Hülfe und Zuflucht betrachtet, so liegt eben gerade darin das tief Ergreifende, dass der lebenskräftige Held dahin gebracht ist in dem,

wovor das natürliche Gefühl zurückschaudert, seine letzte und einzige Rettung zu erblicken. 9