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Gruppe— die in Schmerz verstummende Mutter und das noch kaum die Grösse seines Verlustes ahnende, aber durch alles was vorgeht bang betroffene Kind zu beiden Seiten der Leiche des Vaters— bildet bis zum Schlusse des Stückes den in feierlicher Ruhe verharrenden Hintergrund, vor dem der wilde streit der Männer tobt, bis endlich unerwartete Ausgleichung erfolgt.
Denn nicht lange Zeit war Teukros weg gewesen um für ein Grab Sorge zu tragen, während indessen der Chor, zum Schutze zurückgelassen, in wehmüthigem Liede seine Noth beklagt und seine Sehnsucht nach der Heimath ausspricht, da kehrt er eilig zurück, weil er Agamemnon herankommen sieht“³). Der Augenblick der Entscheidung naht und mit banger Erwartung sehen wir derselben entgegen. Denn ihm als dem obersten Führer, der zum Befehlen berechtigt ist und dem alle Kraft des Heeres zu Gebote steht, kann Teukros nicht so leicht Widerstand leisten wie der grundlosen Anmassung des Menelaos. Und doch setzt er, im Gefühle seiner Pflicht gegen den todten Bruder und der Erbitterung über die demselben drohende Entehrung alles Andere vergessend, den heftigen, hochfahrenden Worten, in welche Agamemnon, aufgereizt durch die gewiss übertriebenen(V. 1232 ff.) Mittheilungen des Menelaos und das Gefühl ver- letzter Würde, gegen Aias und ihn selbst ausbricht, nicht nur eine scharf treffende Erwiederung, in welcher er dem Undankbaren die vielen zu seinem und des gesammten Heeres Heil und Rettung von Aias vollbrachten Thaten heldenmüthiger Aufopferung vorhält, sondern auch die bestimmte Erklärung entgegen, dass er Gewalt mit Gewalt vertreiben werde. Jede Möglichkeit der Ausgleichung ist ver- schwunden; der Ausgang eines Kampfes des mit den Seinigen allein stehenden Teukros gegen den Führer des gesammten Heeres kann nicht zweifelhaft sein.
Da erscheint Odysseus, den der Lärm des streites herbeigezogen. Sein besonnener, leidenschaftsloser, von kleinlicher Rachsucht und Schadenfreude weit entfernter Sinn, wie er sich schon im Prolog kund gab, bewährt sich jetzt durch edle That. Mit gewandter Klugheit weiss er in wenigen Fragen den Streit auf seinen Ausgangspunkt zurückzuführen, wodurch Agamemnon in den Nachtheil geräth sich als den angrei- fenden Theil bekennen zu müssen. Dann stellt er demselben, indem er sich auf seine bewährte Freund- schaft beruft, die ihn vor Missdeutung sichern müsse, in eindringlichen Worten vor, wie unedel und frevelhaft es sein würde dem trefflichsten aller Achäer nach Achilleus die letzte Ehre zu verweigern, und beschwört ihn bei den Göttern, von solchem Vorhaben abzustehen. Schwer genug fällt es Agamemnon im Gefühle seiner Herrscherwürde, sein Gebot zurückzunehmen. Doch Odysseus weiss allen seinen zum Theil verletzenden Widerreden ein mildes ²⁰), verständiges Wort entgegenzusetzen, bis endlich Agamemnon sich dahin überwindet zu erklären, dass er zwar seinen Hass gegen Aias niemals aufgeben werde, aber doch dem Odysseus zu Liebe die erbetene Gunst gewähren wolle.
Nachdem er sich entfernt hat, spricht Teukros, der bisher geschwiegen um die Vermittelung des Odysseus nicht zu stören, diesem seine dankbare Anerkennung für seine edle Handlungsweise aus. 80 ist, da Teukros als Vertreter seines todten Bruders erscheint, eine versöhnende Ausgleichung zwischen den beiden durch den Waffenstreit verſeindeten Helden erfolgt“), und aus dem Benehmen des Odysseus, der sich in allem seinem Thun stets von der Hand Athene's leiten liess(V. 35), ahnen wir, dass auch der Zorn der erhabenen Göttin versöhnt sei. Die Tragödie schliesst, indem Teukros die Anordnungen für das Begräbniss des todten Helden trifft, dem durch den Mund des Gegners selbst die Ehre zuerkannt ist, die ein ungerechtes Gericht ihm entzogen hatte*s).—
lch habe bei der Erörterung der letzten Scenen die vielbesprochene Frage über die Zweckmässigkeit und Nothwendigkeit dieses Theils der Tragödie, der hinter dem Tode des Helden liegt, absichtlich über-


