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Freundschaftsdienst erweisen soll(vergl. V. 822). Wenige Augenblicke haben genügt um nach dem mit klarer Ueberlegung unwiederruflich gefassten Entschluss des Selbstmordes auch die Art der Ausführung zu bestimmen. An einsamem Orte, fern von jeder menschlichen Gemeinschaft, ohne Klage und unbeklagt, will er sich in sein Schwert stürzen und in erhabener Ruhe aus dem Leben scheiden. Damit die Seinigen ihn ungehindert ziehen lassen und nicht durch stürmische Versuche seinen Weg zu hemmen diese Ruhe stören, damit diesen und ihm selbst der bittere Schmerz des letzten Abschiedes erspart werde, nimmt er, wohl zum ersten Mal im Leben, seine Zuflucht zu einer List und täuscht die Seinigen durch jene wun- derbare Rede, in welcher er den Schein annimmt, als habe er seinen Sinn geändert, und seine wahre Absicht unter dem freilich nur leichten und für ein unbefangenes Auge wohl qdurchsichtigen Schleier erdichteten Vorhabens, ironischen Moralisirens und doppelsinnigen Ausdrucks verbirgt. Entwürdigend können wir im Hinblick auf die Motive diese Täuschung unmöglich nennen, wohl aber mag sie uns dem Charakter des Aias widersprechend erscheinen. Doch weit entfernt darauf einen Vorwurf für den Dichter gründen zu dürfen, werden wir es vielmehr als eine wohlbedachte, tief ergreifende Anordnung desselben erkennen müssen, dass Aias, dem aus seinem gränzenlosen Unglück keine andere Zuflucht sich zu öffnen schien als der Tod, vor dem das menschliche Herz zurückschaudert, auch zu dieser letzten Zuflucht nur durch momentane Verhüllung seiner geraden, offenen Natur gelangen kann. Dass er dazu jetzt im Stande ist in eine seinem Charakter so fremde Weise einzugehen, zeigt uns zugleich mit zweilelloser Gewissheit, dass sein Entschluss und die Ausführung desselben nicht das Resultat leidenschaftlicher Aufregung, sondern der überlegtesten Besonnenheit ist. Andrerseits aber lässt ihn der Dichter mit weiser Mässigung in der Unwahrheit nicht weiter gehen, als es zur Erreichung seines Zwéckes unumgänglich nöthig ist, lässt ihn im Uebrigen die Wahrheit mehr schonend verhüllen, als geradezu Falsches an die Stelle derselben setzen. Die kecke, unbefangene und consequente Durchführung einer baaren Lüge würde weder mit Aias Sinnes- weise, noch mit der tragischen Würde vereinbar gewesen sein. Ueber die imponirende Ruhe, welche in dieser Rede herrscht, ist, ganz angemessen dem Charakter und der Lage des Helden, ein trüber Ernst ausgebreitet. Unter der täuschenden Form des Vorsatzes für die Zukunft spricht Aias mit schmerzlicher Ironie die klare Erkenntniss der Anforderungen aus, mit denen er im Widerspruch steht, mit denen er sich weder in Uebereinstimmung setzen kann, da eine so fest geprägte Natur wie die seinige keine Umformung erträgt ohne der Vernichtung anheim zu fallen, noch in Uebereinstimmung setzen will, da Rücksichten berechnender Klugheit(denn unter diesem Gesichtspunkte fasst er hier jene Anforderungen, die er gewiss nicht beabsichtigte an und für sich und schlechtweg als ungültig hinzustellen) seinem offnen, rückhaltslosen Sinn widerstrebten. So wird es uns bis zur Evidenz klar, dass für ihn, auch wenn sein Ehr- gefühl die erlittene Schmach hätte verwinden können, ein anderer Ausweg als der selbstgegebene Tod unmöglich, ja undenkbar ist ²⁵). Dass trotz dem und trotz der durchsichtigen Hülle, unter welcher sein wandelloser Entschluss sich verbirgt, der Chor und auch Tekmessa(V. 807), obwohl diese qurch den Verzweiflungskampf, den ihr Herz durchgemacht hat, zu erschöpft ist(V. 787 f.) um ihre Freude in Worten kund zu geben, durch die Verstellung des Aias sich täuschen lassen, ist nichts weniger als unnatürlich, da der Zunächststehende, dessen Erkenntniss und Urtheil durch heisse Wünsche befangen ist, immer am leichtesten über den Zustand des Leidenden sich täuscht und froher Hoffnung Eingang in sein Herz verstattet.
Aber je lauter der Chor in dem munteren Tanzliede, nachdem Aias sich entfernt und auch Tekmessa seinem Befehle folgend sich ins Zelt zurückgezogen hat, in leidenschaftlicher Freude aufjubelt über die
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