Aufsatz 
Über Sophokles Aias / von Weismann
Entstehung
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so natürlich erscheint und wie er es in so ergreifender Weise zu dem auf seinen Wunsch herbeigeholten Sohne spricht, an die liebende, in bitterem Schmerz vergehende Gattin richtet, ja sogar am Schlusse dieser Scene ihre nimmer rastenden Bitten wieder schroff und herrisch zurückweist, kann uns auf den ersten Anblick Wunder nehmen, aber eben auch nur auf den ersten Anblick. Aeussere Beweise der TZärtlichkeit sind überall nicht die Sache eines rauh geprägten Charakters; höchstens dem hülflosen, die Zärtlichkeit durch seine Zartheit herausfordernden Kindesalter gegenüber kann ein solcher sich einer milderen Weichheit hingeben. Insbesondere aber in einer Lage, wie die seinige war, wo das Schrecklichste einmal als unver- meidlich und unabänderlich feststand, war es nur natürlich, dass er sich äusserlich rauher und schroffer gab, als er im Innern fühlte, um den ferneren Bitten der Gattin zu entgehen, die den schmerzlichen Kampf des Abschieds nur für beide zu erschweren geeignet waren; ähnlich wie auch Hektor(II. VI, 490 ff.) dem Zwiegespräch mit Andromache durch die Worte ein Ende macht: G³⁴. eig olxoy loũga a αἀάοναα Oα,mιωνμιε, ioτνeν τννμρᷣαηαεινν ce etc. 76 G3εκρμαοφο oOν qεαν νεκνιec Cergleiche diese Stelle, unter Berücksichtigung der von Plato, Charm. p. 161, B. und Tim. p. 72, A. erwähnten Definition: Gυπα 0www&Oiʒln oci τε τπ εαασυον τιτev, mit V. 586 unserer Tragödie: 1 ναιννε, un) Eeroce. G Qπιτ ..i). Dass er bei dem rührenden Abschied von dem Kinde auch der Mutter gedenkt, zeigen die Worte: T⁶αυνι ε νοωmσσσσοσ πνeμιανν Sοσνοων, veey drd‿αν, uνντρι τds ανμμοωmπꝶν V. 558 f).

Da nach diesem Abschied Aias die schluchzende Tekmessa auffordert das Kind zurückzunehmen, so tritt sie näher zu ihm heran und kommt somit auf das exxvννν⁵α zu stehen. Noch einmal sucht sie auf den Knieen liegend und bei dem Kinde ihn beschwörend, das sie ihm entgegenhält, den harten Mann zu erweichen, nicht in langen, thränenreichen Klagen, nur in jenen kurzen, aber mit erschütternder Macht ergreifenden Schmerzenslauten, die aus dem brechenden Herzen, dem die letzte Hoffnung schwindet, mit ersterbendem, nur auf einen Moment(σ ϑε) krampfhaft gesteigertem Tone sich losringen. Aias, äusserlich kalt und unbeweglich, weist sie mit trockener, scharfer Entgegnung zurück. Auf seinen wiederholten Befehl das Zelt zu schliessen wird das exxuννννα zurückgerollt(eiceενναα) und hier- durch und durch die gleichzeitig von den Dienern geschlossenen Thore die rührende Gruppe unsern Blicken entzogen ²⁵).

Der allein zurückgebliebene Chor beklagt nun in dem ersten Stasimon sein trauriges Loos, dass er so endlos lange schon fern von der glücklichen Heimath in mühevoller Entbehrung und steter Todesfurcht seine Tage hinbringen muss ²⁶) und jetzt durch das Unglück, welches seinen Führer getroffen, in noch tieferes Leid versenkt ist; er beklagt den Kummer, der über die Eltern des Aias bei der Nachricht von dem Wahnsinn ihres Sohnes hereinbrechen wird ²⁷), und gesteht, dass für einen Mann, der einst als der Beste unter den Besten hervorragte, der Tod selbst solcher Erniedrigung vorzuziehen sei. Doch hegt der Chor trotz der deutlichen Erklärungen, welche Aias in der vorhergehenden Scene gegeben hat, offenbar noch nicht die gewisse Ueberzeugung, sondlern befürchtet es nur, dass Aias noch weiterhin verderbliche

Schritte thun werde. Um so leichter wird es erklärlich, dass er in der darauf folgenden Scene wieder zu froher Hoffnung zurückkehrt.

Aias tritt nämlich jetzt aus dem Zelte, gefolgt von Tekmessa, die ihn keinen Momomt aus den Augen lassen will, in der Hand das Schwert tragend, das Geschenk des feindlichen Hektor, welches ihm so feind- seligen Dienst in dem Werke seiner Schmach geleistet hat und jetzt, feindselig fortwirkend, ihm den höchsten