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denselben zugemuthet ward, was nun in der That draussen war, sich noch immer als ein drinnen Beſind- liches zu denken. Die Härte einer solchen Zumuthung wurde durch die Nothwendigkeit entschuldigt, da nach der herkömmlichen und grundsätzlichen Oekonomie des griechischen Dramas die Bühne immer nur äussere Ansichten, niemals aber das Innere von Sälen und Gemächern darstellte, ein Einblick in dieses aber doch bisweilen durchaus nothwendig war, und wurde auch, wenn nicht ganz beseitigt, doch um ein Bedeutendes gemildert theils durch die Gewohnheit, theils durch die Geneigtheit des griechischen Zuschauers auf die für den Zweck des Dichters erforderlichen Fictionen bereitwillig und ohne pedantisches Bedenken einzugehen ²*). Durch ein solches euzbzle u wird denn auch, wie schon die alten Erklärer
bemerken, Aias, umgeben von den gemordeten Thieren, auf die Bühne herausgerollt. Er ist wirklich ausser dem Zelte; aber sowohl für die übrigen Personen der Scene, wie für die Zuschauer ist er ſortwährend als in demselben befindlich und nur durch die geöffnete Thür wahrnehmbar zu denken.
Der Anblick seiner treuen Begleiter erweckt zwar auf einen Augenblick in Aias das wohlthuende Gefühl, dass er doch nicht von Allen verlassen sei, regt ihn aber sodann alsbald wieder zu neuen schmerzlichen Klagen auf. Der Chor sucht mit ruhiger Theilnahme auf ihn einzuwirken, während Tekmessa mit zärtlichen Bitten und rührendem Anschmiegen seine düstere Verzweiflung zu hemmen bemüht ist. Er achtet aber weder auf das Eine noch auf das Andere. Ganz versunken in seinen Schmerz drehen alle seine Gedanken sich einzig und allein um die Vergleichung seiner früheren hochgeehrten Stellung und seines jetzigen schmachbelasteten Zustandes und um den heissen Wunsch an seinen Feinden Rache zu nehmen und dann zu sterben. Alles was der Chor und Tekmessa dazwischen reden, gleitet machtlos ab ohne den Lauf seiner Gedanken auch nur im geringsten zu ändern oder zu hemmen. Nur einmal, V. 369, fährt er heftig gegen Tekmessa auf, weil ihr Einreden in eine Sache, wo weibliches Gefühl und Urtheil am wenigsten ausreichen konnte, ihn verletzen muss; aber in dem nächsten Augenblick(V. 370) ist er auch schon wieder, als wäre nichts dazwischen gekommen, in seinen alten Klageruf zurückgefallen. Endlich erwacht in ihm der Gedanke an Selbstmord. Doch ist dieser ganz naturgemäss anfangs nur ein momentaner, schnell hervorschiessend, wie ein leuchtender Blitz, und eben so schnell wieder verschwindend und anderen Gedankenreihen Platz machend. Aber bald muss derselbe mit verstärkter Kraft wiederkehren und damit dann eine verhältnissmässige Ruhe in dem Geiste des Helden eintreten. Denn es ist eine bekannte psycho- logische Erscheinung, dass in allen bangen, ungewissen Lagen des Lebens das ängstliche Umhertasten des erregten Gemüthes aufhört, sobald nur einmal die Möglichkeit diesen oder jenen Weg einzuschlagen um dem gegenwärtigen quälenden Zustande zu entgehen in das Bewusstsein eingetreten ist. Mit ruhiger Fassung, wenn auch noch immer tief gebeugt, überblickt Aias nun noch einmal seine ganze Lage und das Resultat dieser Betrachtung ist die Ueberzeugung, dass nur ein freiwilliger Tod ihn von der auf ihm lastenden Schmach befreien könne, und der feste Entschluss dieses äusserste Mittel zu ergreifen. Dieser Entschluss, einmal mit vollkommner Klarheit der Ueberlegung gefasst, kann durch die rührenden Bitten und Vorstellungen der Tekmessa, welche das ergreifende Bild der von ihrem geliebten Gatten scheidenden Andromache in uns erneuern, nicht wankend gemacht werden. Aber Aias antwortet ihr doch nicht mehr unfreundlich, sondern nur ausweichend, und darin liegt bei seinem eigenthümlichen Charakter, der Rath und Zurechtweisung überhaupt nicht gut und am wenigsten von einer Frau ertragen konnte, ein bedeu- tendes Zeichen, dass er, wenn auch bei seinem Entschluss beharrend, doch keineswegs ohne Theilnahme und lieles Mitgefühl ihre Klagen gehört habe. Dass er fernerhin bis zu seinem Tode, ungleich dem Homerischen Hektor nirgends ein herzliches, bewegtes Wort, wie es in der Stunde des Scheidens für immer


