Aufsatz 
Über Sophokles Aias / von Weismann
Entstehung
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(besonders V. 112 f.), die trübe Ahnung ferneren Unheils, dessen Herannahen wir mit banger Theilnahme entgegen sehen.

Ist schon Odysseus durch den Anblick seines jammervoll gestürzten Feindes zu tiefem Milleid bewegt worden, wie erschütternd musste erst das Unglück des Aias auf die Seinigen einwirken. Dies schildert uns die folgende Scene. Zunächst zieht der Chor in die Orchestra, bestehend aus Salaminischen Lands- leuten und Unterthanen des Aias, die seine Gefährten auf der Seefahrt und im Kampfe gewesen waren. Sie motiviren im Beginn der Parodos ihr Erscheinen vor dem Zelte des Aias zunächst durch den engen Zusammenhang, in welchem sie zu dem Fürsten stehen. Sein Wohlergehen bereitet ihnen Freude, gott- verhängtes Schicksal aber und schmähendes Gerede der Danaer, welches ihn trifft, versetzt sie in banges Zagen. Sie haben das Gerücht vernommen, welches ihm den nächtlichen Mord der Heerden zuschrieb, und halten es zwar für eine boshafte Erdichtung, fühlen sich aber ausser Stand demselben zu wehren; nur Aias Erscheinen kann die Verleumder verstummen machen. Oder sollte das Gerücht doch Wahrheit enthalten? Sollte eine beleidigte Gottheit den gesunden Sinn des Helden mit nächtlichem Blendwerk berückt haben ¹⁷)? Mit zögernder Scheu denken sie dieser Möglichkeit nach, um sofort wieder auf die Annahme einer Erdichtung zurück zu kommen. Dringend mahnt ihr Ruf, dass Aias sich erhebe aus seiner Unthätigkeit, die den höhnenden Uebermuth der Feinde immer mehr entflamme, während ihnen, seinen Freunden, dauerndes Leid bereitet sei(V. 200 csuol d'e ταάmχν.

Ja wohl dauerndes Leid; nur zu bald sollte diese ahnungsvolle klage ihre Bestätigung finden. Tekmessa tritt aus dem Zelte, die kriegsgefangene Tochter des Phrygischen Königs Teleutas, mit welcher Aias in ehelicher Gemeinschaft lebte ¹8). Sie liebt den Helden aufs innigste und fühlt sich zu untrenn- barer Einheit mit ihm verbunden. Ihre schmerzvollen Klagen müssen nothwendig noch mehr als der vorausgegangene theilnehmende Gesang des Chors dahin wirken, dass das Bild des gewaltigen Mannes uns in einem milderen, freundlicheren Lichte erscheint, durch welches er unserem Mitgefühl um ein Bedeutendes näher gerückt wird. Von der Wirkung schliessen wir unwillkührlich auf die Ursache. Wer von so treuer Anhänglichkeit, so inniger Liebe umgeben ist, kann unmöglich blos ein wilder Kämpfer des Schlachtfeldes sein, sondern muss auch edlere, zartere Eigenschaſten besitzen, welche geeignet sind die Gemüther zu gewinnen, muss durch herzliches Wohlwollen jene Liebe und Anhänglichkeit verdienen; T⁴μ το αἀ,ο έσστι ïιινα dei V. 522). Dieser Eindruck, welchen uns in Bezug auf Tekmessa die Worte des Chors: erel Gσέι αεέινσς dουιμιαιινυνπσο σσεονεμσαςρ eεεκνεέι εσςσο dic=(V. 211 1) ausdrücklich bestätigen, kann durch die Rauhheit, mit welcher Aias V. 293 und an mehreren späteren Stellen seine Gattin zurückweist, nicht verwischt werden. Dieselbe erklärt sich vielmehr hinreichend theils aus der untergeordneten, zurückgezogenen Stellung, welche dem Weibe bei den Griechen, wenigstens der geschichtlichen Zeit, angewiesen war und bei den Tragikern nicht selten auch auf ein früheres Zeitalter übergetragen wird, theils aus dem rauhen, schroffen Wesen, welches Aias überhaupt eigenthümlich war und ihn gerade für das Zureden von wabiicher Seite am wenigsten empfänglich sein liess(V. 330 i 1. d 0i Toιοιεᷣ νμυQηι νταε ꝙilos ¹²), theils insbesondere aus der krankhaft verdüsterten Stimmung, in welcher sich der Held gerade damals befand.

Also auf der einen Seite dient diese Scene zur Charakteristik des Aias und des Verhältnisses, in

welchem er zu den Seinigen stand, auf der andern Seite aber auch theils zur genaueren Detaillirung der früheren Vorgänge, theils zur vorbereitung der weiteren Entwickelung. Durch die gegenseitigen Mittheilungen