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wieder in das Zelt zurückgekehrt ist, eindringlich warnend, zugleich aber auch das Herbe des voraus- gegangenen Eindrucks sänftigend, das Wort der Göttin, in welchem sie die Grundidee unserer und überhaupt der antiken Tragõdie ausspricht:
V. 127 ff. coιαανπσασα τciνυυν i‿σοοσανυν mπμιςρᷣοιοαπαον unοσeν πασιν eiασmφς αoo eig eoug nog, un 5„νν dν μQᷣϊέν, Tlνοοσο πάνιον 1 7) Te⁴ο πϑοιειιιςι u⁵ον πνοιτο εα⁸εα. dg uega liver re xdedeνεε πη⁴α‿‿νν d-αντα ᷣνννςσσιριεα τοςσ ιι σιςονας 'εο φμνονσ—αι mᷣσσνꝓοοσ οσ αχαάαοισ ⁹.
Wohl zu beachten ist die weise Mässigung, mit welcher der Dichter das Entsetzen und Abscheu erregende Bild des Wahnsinns uns vorgeführt hat. Die Darstellung des Schrecklichen in seiner ganzen Nacktheit lag ausser dem Bereich der antiken Poesie und der antiken Kunst überhaupt. Ein Shakespeare'scher Lear konnte in einer griechischen Tragödie keine Stelle ſinden. Mehr andeutend, als zu voller Natur- wahrheit ausführend stellt uns Sophokles den Wahnsinn des Helden dar. Nicht rasend und tobend in blinder Wuth erscheint er unsern Blicken; auch die zerhauenen Schafe und Böcke, die Opfer seiner sinn- verwirrten Bethörung bleiben wenigstens jetzt noch unsern Augen entrückt. Nur einen Zornigen sehen wir, der Grund zum Zorn hat und an seinen Feinden blutige Rache theils schon geübt hat, theils noch zu üben gedenkt. Den Wahnsinn, von dem er befangen ist, erkennen wir nur aus dem Widerstreit seiner Worte mit dem, was Athene dem Odysseus vorher erzählt hat. Dies reicht hin um die Phantasie des Zuschauers zu selbstständiger Ausmalung des seinem leiblichen Auge entzogenen Nachtstückes zu befähigen und anzuregen; ihm dasselbe in nackter Wirklichkeit vorführen würde das Entsetzen bis zum Abscheu gesteigert und den Helden aller der Würde, die er als Träger der Tragödie nie verlieren darf, entkleidet haben ¹⁶). Ueberdies hat der Dichter mit verständiger Kunst der Erniedrigung, in welcher wir denselben erblickt haben, sogleich durch die anerkennenden Worte der Athene, durch die Theilnahme, welche sein Gegner ausspricht, und durch den so hohe Ehrfurcht und Bewunderung ausdrückenden Gesang des Chors ein entsprechendes Gegengewicht gegeben.
Mit V. 133, nach welchem Athene und Odysseus die Bühne verlassen, schliesst der Prolog(oder, wie wir sagen, die Exposition) der Tragödie. Er ist bei aller Einfachheit und Natürlichkeit mit so bewundernswürdiger Kunst angelegt, wie kaum in irgend einer andern Tragöodie des Sophokles. Er gibt uns in dem kurzen Zwiegespräch nicht nur Kunde über die der Handlung des Stückes vorausgegangnen Ereignisse und die denselben zu Grunde liegenden Ursachen und Motive. Er zeigt uns auch den Helden einerseits in seiner frühern Herrlichkeit und Grösse(dies freilich nur kurz andeutend, aber eindringlich genug, um so mehr da die Göttin es ist, welche der Dichter die rühmende Anerkennung aussprechen lässt), andrerseits in seinem jetzigen tiefen Falle. Er stellt uns seinen würdigen Gegner vor Augen und motivirt aufs sinnigste dessen unverhofftes Eingreifen am Schluss des Stückes. Er legt uns offen und unzweifelhaft das Gesetz dar, von welchem abirrend der Held gefallen ist. Er setzt dessen trauriges Schicksal in Bezug zu dem allgemeinen Loos der Sterblichen. Er erweckt uns bei der rauhen, nicht zu beugenden Gemüthsart des Helden, die in den kurzen Wechselreden mit Athene sich kund gibt


