Aufsatz 
Über Sophokles Aias / von Weismann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

aν⁶νειοασν, od'e oον ε πννμέαονε ανν‿‿ ◻φ⁵ςσυρνιινeανναε έον ο αι νμκν. In dieser eino- samen Zurückgezogenheit wuchs dann seine Erbitterung immer mehr, bis sie zur Wuth gesteigert ihm den Gedanken eingab die erlittene Schmach im Blute seiner Feinde abzuwaschen*). In dunkler Nacht stürzt er mit seinem Schwerte aus dem Zelte, unbewegt durch das Zureden seiner Geliebten Tekmessa, die ihn zurückzuhalten sucht, und ist schon bis zu dem Eingang des Feldherrnzeltes gelangt: da irrt Athene seinen Sinn, dass er nach anderer Richtung sich wendend zu dem noch unvertheilten Beutevieh der Achäer hin- kommt und in dem Wahne seine verhassten Feinde vor sich zu haben mit schonungslosem Morden unter demselben wüthet. Als er endlich ermüdet ist, schleppt er die noch lebenden Thiere gefesselt nach seinem Zelte um dort noch ferner an seinen vermeintlichen Feinden schwere Rache zu üben. Unterdess bricht der Morgen an. Mit diesem Zeitpunkte beginnt unsere Tragödie.

In der Charakteristik des Helden hat sich Sophokles treu an die Schilderung Homer's gehalten, so jedoch, dass er, was Homer nur im Allgemeinen angedeutet hat, seinem Zwecke gemäss schärfer ausprägte und auch wohl einen Zug vor dem andern stärker hervortreten liess.

Kias ist bei Homer unbestritten der gewaltigste Held der Achäer uer duuνμe⸗ LIileicva.

Il. XVII, 279 sq. und anderwärts. In vielen Fällen erweist er sich als ein mächtiger Hort des Heeres und wird ausdrücklich deshalb gepriesen. Aber stets erringt er den Sieg in offenem Kampfe; listiges Erhaschen desselben ist seiner offenen, stolzen Seele fremd. Von langen Reden ist er kein Freund; er ist ein Mann der That, nicht des klügelnden Wortes. Aber an besonnener Klugheit fehlt es ihm doch durchaus nicht; nur ist diese nicht seine hervorstechende Eigenschaft, die ihn von Andern unterschei- det). Bei allem Feuer des Gemüths, bei aller Energie des Wollens, wodurch er zur Vollbringung grosser Thaten befähigt wird, bewahrt er, seiner Kraft und Würde bewusst und für kleinliche Regungen unem- pfänglich, in allen Lagen eine imposante Ruhe und Fassung. Gegen Andere ist seine Weise fest und rauh, aber nichts weniger als hart und gefühllos. Mit Recht nennt Bröndsted ihn einen Helden von altem Schrot und Korn.

Ganz ebenso erscheint Aias bei Sophokles, nur dass sich bei diesem die Abneigung des Helden gegen listige, verschlagene Ränke in ausdrücklichen Worten kund gibt, während dieselbe bei Homer nur als eine unwillkührliche Folgerung aus dem, was er sonst von Aias erzählt, uns ins Bewusstsein tritt(V. 103; 379 ff.*). Der nächtliche Ueberfall, wodurch der Held Rache an seinen Gegnern üben will(V. 47 vxτμο d dudg O6LLog ö9uGιlνοσν*)j kann nicht als Zeugniss gegen diese Auffassung seines Charakters gelten, sondern beweist vielmehr nur, wie durch die masslose Aufregung der Leidenschaft sein Geist bereits damals aus seiner gewohnten Bahn gedrängt und bis an die Gränzen des Wahnsinns hingetrieben war. Ebensowenig darf diese leidenschaftliche Aufregung selbst, in die er durch den ungünstigen Ausgang des Waffengerichts versetzt wird, gegenüber der gleichmüthigen Ruhe, mit welcher er in der Ilias bei den Kampfspielen des Peliden die Ueberlistung durch Odysseus und Diomedes hinnimmt, uns zu dem Glauben veranlassen, als habe in dieser Hinsicht dem Dichter ein von dem Homerischen abweichendes Bild des Helden vorgeschwebt. Dass wir in dieser leidenschaftlichen Aufregung nicht eine Bethätigung, sondern vielmehr nur eine momentane Verdunkelung der wahren Natur des Aias zu erkennen haben, zeigt

*) Ich folge der Brunck'schen Verszählung.

.