Aufsatz 
Über Uhland's "Herzog Ernst"
Entstehung
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eines burgundiſchen Adelsgeſchlechtes, hatte ſich durch das Stu⸗ dium der römiſchen Dichter, Geſchichtſchreiber und Philoſophen reiche Bildung erworben und lebte, obgleich dem geiſtlichen Stande angehörend, als einflußreicher Staatsmann in beſonderer Gunſt der Kaiſerin Giſela an dem Hofe Konrads und ſeines großen Sohnes Heinrichs III. Er wurde nach der Wahl und Krönung Konrads, der er perſönlich beigewohnt hatte, vom Kaiſer ſelbſt zum Hofkapellan ernannt, und wohnte, wenn Krankheit ihn nicht hinderte, ſtets dem kaiſerlichen Rathe bei und war ſelbſt wahrſcheinlich der Lehrer Heinrichs, ehe dieſer unter die beſondere Obhut des Biſchofs Bruno von Augsburg und nach deſſen Tode des Biſchofs Engelbert von Freyſingen geſtellt wurde. Denn obgleich der Lombarde Amalrich als der hauptſächlichſte Führer des jungen, reich begabten Heinrich im Reiche der Wiſſenſchaften genannt wird, ſo läßt doch das Vertrauen, in dem Wipo bis zu ſeinem Tode beim Kaiſer Heinrich ſtand, auf ein in früheſter Jugend geknüpftes, auf geiſtigem Verkehr beruhen⸗ des, inniges Verhältniß ſchließen(ſ. Anm. 1.). Die klare Einſicht, die Wipo durch ſeine Stellung am Hofe in die Regierungs⸗ verhältniſſe gewann, und der ſchlichte, von pfäffiſchem Hoch⸗ muth, wie von höfiſcher Kriecherei gleich freie Sinn, der ſeine Schilderung des Lebens Konrads durchweht, geben ſeiner treuen Berichterſtattung den höchſten Werth, und wenn er vielleicht auch dem Sohne gegenüber, dem das Werk gewidmet war, hie und da etwas verſchwieg, erſcheint doch das, was er giebt, durchaus zuverläſſig und erhebt ſich durch den lebendigen, war⸗ men, höchſt anſchaulichen Stil zu den beſten Werken hiſtoriſcher Monographieen.*) Während ſeine übrigen, nur zum Theil er⸗ haltenen Schriften in Verſen abgefaßt ſind, bedient er ſich in

5) Der Herausgeber, Pertz, ſagt, man müſſe es um ſo höher ſchätzen, da es mit der höchſten Lauterkeit des Gemüthes von dem trefflichſten Manne geſchrieben ſei, der, ein Zeitgenoſſe und nicht ſelten Augenzeuge deſſen, was er erzählte, zugleich die Wahrheit ergründen konnte und wollte.