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Zügen nachging, die er im„Herzog Ernſt“ mit keuſcher Feder vereinigt hat zu dem ergreifenden Bilde deutſcher Treue: es würde uns einen Blick thun laſſen in das tiefe, wahrhaftige Gemüth dieſes verehrungswürdigen Menſchen.
Wir geben zunächſt dieſe hiſtoriſche Grundlage. An dieſen hiſtoriſchen Abſchnitt werden wir ſodann die Schilderung des Drama's ſelbſt, ſeiner Idee und der einzelnen Charaktere an⸗ knüpfen und zum Schluß einige ſachliche und ſprachliche Erläu⸗ terungen hinzufügen, wie ſie uns zum völligen Verſtändniß für die Schule geeignet erſcheinen.
Die hiſtoriſche Grundlage des Drama's.
Wenn auch W. Gieſebrecht in ſeiner auf ſorgfältigſtem Quellenſtudium beruhenden, lichtvoll und lebendig geſchriebenen Geſchichte der deutſchen Kaiſerzeit(Bd. II. S. 203— 320) die Regierung Konrad's II. aufs Ausführlichſte behandelt hat und das beſondere Zerwürfniß zwiſchen dem Kaiſer und ſeinem Stiefſohn Ernſt in eingehendſter Weiſe von Chr. Fr. Stälin in ſeiner Württembergiſchen Geſchichte(Bd. I. S. 474— 483) dargeſtellt worden iſt, ſcheint es uns doch pädagogiſch gerecht⸗ fertigt, dem Chroniſten ſelbſt, den der Dichter als Hauptquelle mit großer Treue benutzt hat, vorzugsweiſe zu folgen und in möglichſt treuer Ueberſetzung die bezüglichen Stellen ſeines Zeitbuches in unſre, Gieſebrecht folgende Darſtellung einzu⸗ flechten, um ſo mehr, da dieſes die beſte Vorbereitung zur Lektüre der Tragödie bietet. Denn dieſe verhält ſich zu den meiſten modernen Geſchichtsdramen, wie jene Chronik zu gar manchen Geſchichtswerken der neuern, ſelbſt noch unſrer Zeit, d. h. wie die ſchlichte, treue, warme Natur zu dem berechneten, tendenziöſen und ſentenziöſen Kunſtwerk. Es iſt dieſe Chronik Wipo's Leben Konrads II. Wipo, ein Sprößling


