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mit ſeinem gekrönten Werke längſt vergeſſenen bayeriſchen Dich⸗ ter weichen. Wenn ſich nun auch Uhland's Muſe nicht am freiſten und glücklichſten in der Form des Drama's bewegte, die beſchauliche Ruhe und Innerlichkeit ſeines Weſens, ſeine Leiden⸗ ſchaftloſigkeit bei allem Ernſte des Strebens und bei aller Energie ſeiner Begeiſterung ihn vielmehr zur Rhapſodie und zur Lyrik gedrängt hat, ſo bleibt doch der Werth ſeiner dramatiſchen Schöpfungen ein ſo bedeutender, daß ſich das Unrecht, das die Bühne an dieſen Werken begeht, nur aus dem geſunkenen Zu⸗ ſtand derſelben und ihrer nationalen Entfremdung erklären läßt, mag die Schuld nun an den Bühnenvorſtänden oder an dem verflüchtigten Sinne des Publikums oder am wahrſcheinlichſten an beiden liegen. Unſere Aufgabe iſt es hier nicht, dieſen Punkt weiter zu erörtern oder auch nur in eine eingehende Vertheidi⸗ gung des dramatiſchen Werthes beider Stücke gegen die zum Theil ſehr wegwerfenden Urtheile der Literarhiſtoriker einzutreten. Wir werden nur an dem einen zeigen, wie man es fruchtbar für die Jugend machen kann. Zunächſt wollen wir die hiſto⸗ riſche Grundlage geben, auf der mit gewiſſenhafter Treue der Dichter ſein Werk aufgebaut hat zu einer Zeit, wo man noch wenig von ſolcher Treue wußte, wo erſt kaum aus den Beſtre⸗ bungen der Romantiker der ächte Kern ſich von dem Schein und der Unnatur durch die innerlich nachhaltige Wirkung der Befreiungskriege zu ſondern begann. Es iſt erhebend zu ſehen, mit welcher Liebe Uhland die Geſchichte ſeines Vaterlandes durch⸗ forſchte und mit welchem nie ſich täuſchenden ſittlichen Gefühl er das Große, Naturwüchſige im Charakter ſeines Volkes heraus⸗ zufinden wußte. Graf Eberhard der Greiner, dieſe unübertreff⸗ liche Rhapſodie, iſt dafür der vollgültigſte Beweis. Die ein⸗ fache Größe des alten Rauſchebart im Kampfe für das von Rittern und Städtern mit Füßen getretene Recht ſtellt ihn wür⸗ dig neben die homeriſchen Heldengeſtalten. Würde uns kund,— und das wäre eine ſchöne Aufgabe ſeines Biographen,— wie lange und mit welch' gewiſſenhaftem Eifer der Dichter den


