Aufsatz 
Die Ansichten der neueren Chemie
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

mit Butterſäure(C. H,) C. O..O+ HO iſt und daher auch Iſobutterſäure genannt wird. Werden in dem Methyl der Eſſigſäure alle drei Waſſerſtoffatome durch Methyl erſetzt, oder wird eines durch Aethyl und das andere durch Methyl, oder endlich drittens wird nur eines durch Propyl erſetzt, ſo entſtehen

C.H, (9)e 004 HO(cd 4)c 0+ HO(o 4)c.o. 04 HO

Trimethyleſſigſäure Methyläthyleſſigſäure Propyleeſſigſäure, welche Verbindungen alle mit Valerianſäure(C.H.) C..O..O+ HO iſomer ſind. Aehnlich ſind die Betrachtungen

bei den Alkoholen. Aus dem Methylalkohol(C.H.) O. HO entſteht durch Subſtitution von einem Atom Waſſer⸗ ſtoff durch Methyl der methylirte(o CH, 0. H0 Wird Aethyl ſubſtituirt, ſo entſteht äthy⸗(o 9.)o HO Methylalkohol oder Methylcarbinol C= H.). lirter Methylalkohol oder Aethylcarbinol H.)

Werden zwei Atome Waſſerſtoff durch Methylerſetzt, ſo erhält man 0 GeIl 0.f0 eine Verbindung, welche mit den zweifach methylirten Methylalkohol oder Bimethylcarbinol l dem Aethylcarbinol iſomer iſt.

Ebenſo können noch weitere Reihen von Verbindungen entſtehen, wenn auch das dritte Waſſerſtoffatom des Methylal⸗ kohols durch Radicale vertreten wird. Die von Kolbe vorher erkannte Möglichkeit wurde durch die ausgezeichneten Arbeiten Butlerow's über die tertiären Alkohole zur Gewißheit. Gleiche Verhältniſſe zeigen ſich bei den von dem Ammoniak abgeleiteten Baſen.(. H, C. H,

So beſitzen z. B. Bimethylamin vſeg und Aethylamin N n gleiche Zuſammenſetzung.

Während, wie ſchon bemerkt, ganze Gruppen der von Kolbe vorhergeſagten iſomeren Verbindungen als ſolche ſpäter erkannt wurden, beſtreiten die Anhänger der Lehre von der Verkettung der Atome die Exiſtenz anderer als iſomer vorausverkündeter Verbindungen, indem dieſe nach ihren Anſchauungen identiſch mit ſchon bekannten Körpern ſein müſſen. Zur Kennzeichnung der Art und Weiſe, wie die zuletzt genannten Chemiker die Structur der iſomeren Körper in ihren Formeln zur Darſtellung bringen, diene uns ein auch in anderer Be⸗ ziehung höchſt interreſſantes Beiſpiel. Zu dieſem Zwecke müſſen wir etwas weiter ausholen und an die früheren Bemerkungen über die Verkettung der Atome anknüpfen. Es wurde bei der Valenz der kohlenſtoffhaltigen Radicale geſagt, daß in ihnen die Kohlenſtoffatome durch ihre eigenen Affinitätseinheiten mit einander verknüpft ſeien, und zwar wurde dort nur von dem einfachſten hier eintretenden Falle geſprochen, daß je eine Einheit des einen Atoms eine des andern bindet. Es treten jedoch auch Fälle ein, wo eine mehrfache Verkettung der Atome anzunehmen iſt, wenn man nichtlückenhafte Verbindungen aufſtellen will, z. B.:

H.C(H, 1 H.C= CH. HC=(CH Aethen. Aethylen. Acetylen. Das erſte Symbol ſtellt ein Molecül Aethylwaſſerſtoff oder Aethen dar. Ein Molecül Methyl kann nur durch

dieſelbe Formel bezeichnet werden. Es iſt hieraus erſichtlich, daß von der Beantwortung der Frage, ob Aethyl⸗ waſſerſtoff mit Methyl identiſch iſt, die Berechtigung und wiſſenſchaftliche Glaubwürdigkeit der heutigen Structur⸗ formeln abhängig iſt. Durch die Unterſuchungen Schorlemmers wurde experimentell die völlige Identität beider Körper nachgewieſen und damit der Annahme von der Gleichheit der vier Affinitätseinheiten des Kohlenſtoffs die wiſſenſchaftliche Grundlage gegeben. Betrachten wir nun folgende Ketten:

8 1 1 Wird in der erſten Verbindung ein 1 Atom Waſſerſtoff durch Methyl CH 2 IG Frcn 1 Cdeu. erfett, ſo iſt das Reſuliat dieſer Sub. MG 0 Cn. H H H ſtitution: CHI., ein Körper, welcher mit der zweiten der angegebenen Verbindungen iſomer iſt. Bei derartigen Subſtitutionen hält man ſich gegenwärtig, daß gewiſſe Atomgruppen von bekannter Conſtitution, welche ſich leicht von Molecülen zu⸗ ſammengeſetzter Körper abtrennen laſſen, als in denſelben vorhanden betrachtet werden können. Aus dem umfaſ⸗ ſenden Studium ſolcher Reactionen hält man ſich für berechtigt, die atomiſtiſche Conſtitution eines Körpers durch