Aufsatz 
Die Ansichten der neueren Chemie
Entstehung
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durch eine Affinitätseinheit an dem Gerüſte hängen und mit ihren übrigen Einheiten eine entſprechende Menge Verwandtſchaftsgrößen anderer Elemente binden. Dieſe Lagerungsweiſe der Atome oder die Art der Bindung derſelben innerhalb des Molecüls nennt Kekulé die Conſtitution und Butlerow die chemiſche Structur einer Verbindung.

An dem einen Beiſpiele von der Milchſäure und der Glycolſäure wurde gezeigt, daß die Typentheorie an und für ſich nicht mehr im Stande war, zumal bezüglich der complicirteren Verbindungen alle Fragen zu be⸗ antworten; ſie konnte auch ſelbſt ſich nicht dazu für fähig halten. Nach Kekulé iſtdieſe typiſche Anſchauung nichts weiter als ein Vergleichen der verſchiedenen Verbindungen in Bezug auf ihre Zuſammenſetzung; nicht etwa eine wirkliche Theorie, welche uns die Zuſammenſetzung ſelbſt kennen lehrt. Die verſchiedenen Typen ſind alſo nicht etwa durch völlig verſchiedene Conſtitution ſcharf getrennte Klaſſen von Verbindungen, es ſind vielmehr bewegliche Gruppen, in die man immer die Verbindungen zuſammenſtellt, welche den Eigenſchaften nach, die man gerade beſonders hervorheben will, eine gewiſſe Analogie zeigen. Die Geſchichte der Entwicklung der chemiſchen Principien liefert uns eine große Anzahl von Beiſpielen, die den Ausſpruch von Hermann Kolbe gerechtfertigt erſcheinen laſſen:Allgemein gilt jetzt die Anſicht, daß die Chemie höhere wiſſenſchaftliche Ziele zu erſtreben hat, als die Typentheorie, die nur weniger Sachkenntniß bedurfte, um die Verbindungen zu gruppiren, mit ihrem Claſſifications⸗Formular ermöglicht. Kaum darf man ſagen, daß zu dieſen höheren wiſſenſchaftlichen Zielen die Erklärung der Iſomerie⸗Erſcheinungen gehört. Denn die Beiſpiele von Iſomerien haben ſich ſo gehäuft,daß auch der beſtorganiſirte Kopf nicht im Stande wäre, die Thatſachen zu überſehen, wenn dieſe ohne jede theo⸗ retiſche Vorſtellung an einander gereiht würden. Es war daher geradezu eine Nothwendigkeit, hierüber durch Erforſchung der Conſtitution ſo viel als möglich Licht zu verbreiten. Es waren beſonders Kolbe und Kekulé, welche, ein jeder von ſeinem Standpunkte aus, die Wege gezeigt haben.

Iſomer ſind bekanntlich die Körper, welche bei gleicher procentiſcher Zuſammenſetzung verſchiedene Eigen⸗ ſchaften beſitzen. Nimmt man die Moleculargröße ſolcher iſomeren Körper in Betracht, ſo können zwei Klaſſen unterſchieden werden. Iſt die Moleculargröße verſchieden, ſo muß das Molecül des einen Körpers die zwei⸗ oder mehrfache Anzahl von Atomen enthalten als das des andern; derartige Verbindungen werden polymer genannt. Bei gleicher Moleculargröße kann die Verſchiedenartigkeit der Eigenſchaften nur bedingt ſein durch die Verſchieden⸗ heit der relativen Stellung der Atome in dem Molecül; ſolche Körper heißen metamer. So ſind die Kohlen⸗ waſſerſtoffe der Reihe CaHlen polymer, z. B.:

CeHH. C.H. CaH. C.Ho u. ſ. f. Aethylen Propylen Butylen Amylen Als Beiſpiel der Metamerie führen wir nur an CH.O C.H.O CaH. G. 8 8 10

Aceton Propylaldehyd Allylalkohol welchen Verbindungen die empiriſche Formel C.H.O zukommt. Bei dieſen und ſehr vielen andern Beiſpielen reicht die typiſche Schreibweiſe vollſtändig aus, die Iſomerie als durch die verſchiedenartige Lagerung der Atome bedingt zu erklären. Bei einer, wie ſchon geſagt, ſehr großen Anzahl von Fällen erwies ſich die Typentheorie jedoch als unzulänglich, durch ihre rationellen Formeln Anhaltspunkte zur Deutung der Iſomerie zu geben. Kolbe hatte hiergegen durch ſeine Conſtitutionsformeln einen großen Vorſprung; er konnte nicht allein eine große Anzahl bekannter Iſomerien als durch ihre Conſtitution verſchieden nachweiſen, ſondern auch auf ganze Gruppen bis dahin noch nicht dargeſtellter iſomerer Alkohole und Säuren aufmerkſam machen(1862 f.), durch deren ſpäter erfolgte Darſtellung ſeine Betrachtungen einen großen Triumph feierten. Um an einem einfachen uns ſchon bekannten Beiſpiele dieſelben zur Anſchauung zu bringen, wollen wir von der Eſſigſäure ausgehen. Ihre Con⸗ ſtitution iſt ausgedrückt durch(C.H.). C.. O. O+ HO. Erſetzen wir die beiden Waſſerſtoffatome des darin ent⸗

haltenen Methyls wieder durch Methyl, ſo entſteht Whinethyluſſ igſäure( 34)c C..O..O+ HO, welche iſomer