Aufsatz 
Die Ansichten der neueren Chemie
Entstehung
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z. B. Benzoyl erſetzt werden kann, ſtellte zuerſt Kekulé auf. Obwohl er damals noch der typiſchen Schreibweiſe ſich bedient, geht er doch durch Einführung einer neuen chemiſchen Zeichenſprache, durch welche die Werthigkeit der verſchiedenen Atome zur Darſtellung kommt, zurück auf die Atome innerhalb des Molecüls. Nach Kekulé ſteht die Glycolſäure in der Mitte zwiſchen dem Glycol und der Oralſäure; erſterer iſt ein zweiſäuriger Alkohol, die letztere eine zweibaſiſche Säure; die Glycolſäure iſt zugleich einſäurig und einbaſiſch. Vergleicht man die Radicale des Glycols, der Glycolſäure und der Oxalſäure CeH. CH.O CeO*,

ſo ſieht man, daß jedes folgende entſtanden iſt durch Subſtitution von zwei Atomen Waſſerſtoff durch O. Der Eintritt von O in das Radical des Glycols veranlaßt, daß eines von den beiden typiſchen Waſſerſtoff⸗ atomen durch Metalle vertreten werden kann, während das andere ſeine Subſtituirbarkeit durch Säureradicale beibehielt. Tritt nun endlich noch ein weiteres Atom Sauerſtoff ein, ſo verliert auch das zweite Waſſerſtoffatom ſeine Subſtituirbarkeit durch Säureradicale und beide Waſſerſtoffatome der Oxalſäure ſind daher nur noch durch Metalle oder analoge Radicale erſetzbar. Der Charakter des typiſchen Waſſerſtoffs iſt alſo bedingt durch ſeine Stellung oder durch ſeine relative Entfernung von den Sauerſtoffatomen innerhalb des Molecüls. Die Natur der umliegenden Atome iſt es, welche die Veranlaſſung bildet,daß die Stelle, welche irgend ein Atom inne gehabt, mit mehr oder weniger großer Leichtigkeit gerade durch dieſes oder jenes Atom eingenommen werden kann. Haben die Atome innerhalb des Molecüls eine ſymmetriſche Stellung, ſo werden gleichartige Atome auch einen gleichen chemiſchen Charakter zeigen; bei unſymmetriſcher Conſtitution wird das Verhalten gleich⸗ artiger Atome ein verſchiedenes ſein. Im Glycol liegen beide Waſſerſtoffatome in der Nähe von je einem Sauerſtoffatom, daher ihre Vertretbarkeit durch Säureradicale. In der Oralſäure liegen dieſe Waſſerſtoffatome in der Nähe von je zwei Sauerſtoffatomen; daher ihre Vertretbarkeit durch Metalle. Während hier die Stellung der fraglichen Waſſerſtoffatome eine ſymmetriſche iſt, wird dieſelbe unſymmetriſch in der Glycolſäure. Dieſe Be⸗

ziehungen ſind leicht zur Anſchauung zu bringen, wenn H. H. 0 wir uns der Kekulé'ſchen Formeln bedienen, indem wir,, u., 1 wie es jetzt allgemein geſchieht, die graphiſchen Symbole Sarn C O H durch die Buchſtabenſymbole erſetzen und die Ver⸗ 0 0- H on 6 O- H knüpfung der Atome nach ihren Affinitätseinheiten 8 8 durch Striche andeuten wollen: Ha 0. 0

1 Glycol. Glycolſäure. Oxalſäure.

Bei dieſen Unterſuchungen lag der Nutzen einer Zerlegung der Formeln, eines Zurückgehens auf die Atome reſp. deren relative Lagerungsweiſe recht deutlich vor Augen, und es iſt daher leicht begreiflich, daß die Kekulé'ſche Schreibweiſe raſchen Eingang fand. Man ſchrieb jetzt:

0=0 H 0O H H 0 0 H C(I1 00 H CI 000 H Sauerſtoff. Waſſer. Waſſerſtoffperoxyd. Chlorige Säure. Chlorſäure.

Hier ſind die zweiwerthigen Sauerſtoffatome mit einander gleichſam zu einer Kette verbunden, deren letzte Glieder einwerthige Elemente tragen. Derartige Verbindungen heißen offene Ketten im Gegenſatze zu jenen, in welchen alle mehrwerthigen Elemente unter einander Ba 80 080 verbunden ſind und daher geſchloſſene Ketten N 1 genannt werden z. B. 080 00 0 Ba 0

Bariumperoxyd. Schwefelſäureanhydrid. Schwefelſaurer Baryt. Die folgenden Formeln deuten die Conſtitution einiger kohlenſtoffhaltiger Verbindungen an:

H H H H H H H H H 1 14 L 1 H C H H C C H H 60Cl H 6 C 0H H C C NI. 1. H H H H H H H H H Sumpfgas. Aethylwaſſerſtoff. Chloräthyl. Alkohol. Aethylamin.

Das Gerüſte der Molecüle wird durch eine Reihe mit einander verketteter Kohlenſtoffatome gebildet; an ſie ſchließen ſich einwerthige Elemente an entweder direct oder durch Vermittelung mehrwerthiger Elemente, die