Aufsatz 
Die Ansichten der neueren Chemie
Entstehung
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Elemente derart anlagern, daß als Reſultat der Metamorphoſe kohlenſaurer Kalk und Methylwaſſerſtoff erſcheint: G.G.O. 4 Ca.O.= Ca.O. CO. CH. H

Betrachtungen dieſer Art boten die Veranlaſſung, die Möglichkeit ſolcher Spaltungen auch in der Formel zu wahren und demgemäß als Formel der Eſſigſäure(C.H.). C.O. O+ HO zu ſchreiben.

Nachdem durch die exacten Unterſuchungen die Subſtitution außer Zweifel geſetzt war, wurde nunmehr auch innerhalb der gepaarten Radicale die Subſtitution z. B. des Waſſerſtoffs durch Chlor zugeſtanden, obwohl dadurch demjenigen, der die elektrochemiſche Theorie immer noch nicht ganz aufgeben wollte, die ſchwierige Aufgabe zufiel, durch gewagte Hypotheſen die Erſetzung des elektropoſitiven Waſſerſtoffs durch das elektronegative Chlor zu erklären. Während Kolbe der Eſſigſäure die Formel(C.H.). C.O..O+ HO gab, ſchrieb er die von Dumas(1838) dargeſtellte

Trichloreſſigſäure(C.Cl.). C.O. O+ H0O, die von Leblanc(1844) gewonnene Monochloreſſigſäure( c]

C.O.. O+ HO. Ferner verläßt er unter Anerkennung der gewichtigen Gründe der Gegner den von Berzelius ſo nachdrücklich vertheidigten Grundſatz, daß die Radicale keinen Sauerſtoff enthalten; er nimmt vielmehr auch ſauer⸗ ſtoffhaltige Radicale an. Die chemiſchen Verbindungen enthalten nach ihmentferntere Radicale, die dann durch Vereinigung mit einer gewiſſen Anzahl von Sauerſtoffatomen neue nähere Radicale erzeugen So iſt das entferntere Radical der Eſſigſäure(C.Ha). C⸗; das nähere Radical(C.Hl.). Ce. O. Acetoxyl. Während dieſes Ausbaues der Radicaltheorie ſuchte Kolbe ſtets die geringe wiſſenſchaftliche Bedeutung der Typentheorie nach⸗ zuweiſen. Vorzugsweiſe die ſchon oben genannten Frankland'ſchen Unterſuchungen, durch welche die Werthigkeit verſchiedener Elemente, alſo deren Affinitätsgröße ohne Rückſicht auf ihren elektrochemiſchen Charakter feſtgeſtellt wurde, waren es, die Kolbe(1859) zu Zugeſtändniſſen und zu der Erklärung veranlaßten:die organiſchen Körper ſind durchweg Abkömmlinge anorganiſcher Verbindungen und entſtehen aus dieſen zum Theil durch einfache Sub⸗ ſtitutionen. Hierdurch war derſelbe, wie auch Frankland, der typiſchen Anſchauung beigetreten; die Gerhardt'ſchen Typen jedoch verwarf er. Es ſcheint ihm ſonderbar, anzunehmen,die Natur habe ſich darauf beſchränkt, alle Körper nach dem Muſter der Chlorwaſſerſtoffſäure, des Waſſers, des Ammoniaks zu geſtalten. Er erklärt es für angemeſ⸗ ſener, bezüglich der organiſchen Verbindungen ſich des Typus Kohlenſäure zu bedienen, denn dieſer habe ſeine Berech⸗ tigung in der Natur der Dinge, da aus der Kohlenſäure das Pflanzenreich ſeine Verbindungen forme. Kolbe leitet die Kohlenſtoffverbindungen vorzugsweiſe von der Kohlenſäure und die Schwefelverbindungen von der Schwefelſäure ab. Die Kohlenſäure wird dargeſtellt als(C.O.). Oz, worin, da C.O. das Radical repräſentirt, noch(nach den früheren Atomgewichten) zwei Atome extraradicalen Sauerſtoffs vorhanden ſind. Zu jedem Atome extraradicalen Sauerſtoffs gehört ein Atom baſiſches Waſſer, ſo daß zur Beſtimmung der Baſicität die Kenntniß der Atomanzahl des extraradicalen Sauerſtoffs nöthig iſt. Als Typus iſt daher das freilich hypothetiſche Kohlenſäurehydrat(C.O.).

0.. 2H0 zu wählen, deſſen Formel in der Moleculargröße ganz mit der typiſchen Schreibweiſe 69. 0a überein⸗

ſtimmt. Für jedes Atom des außerhalb des Radicals befindlichen Sauerſtoffs, welches erſetzt wird, tritt dann auch ein Atom baſiſches Waſſer aus, ſo daß eigentlich O.H erſetzt wird; dieſe Atomgruppe, die in der jetzigen Weiſe OH geſchrieben wird, hat noch eine freie Affinitätseinheit, iſt alſo einwerthig und wird in der heutigen Chemie Oxhydryl oder Hydroxyl genannt.

Das Weſen und die Bedeutung der prototypen unorganiſchen Verbindungen erklärt Kolbe nun weiter derart, daß, wie in dieſen an die Atome des Kohlenſtoffs, des Schwefels, des Stickſtoffs ꝛc ſich gleich Zweigen an den Stamm die Sauerſtoff⸗, Waſſerſtoff⸗oder Chloratome anlegen, auch in den organiſchen Verbindungen jene Elemente als Stammradicale fungiren, an welche ſich entweder ausſchließlich kohlenſtoffhaltige Radicale oder mit dieſen auch Atome einfacher Körper als Zweige anlegen. So fungirt als Stammradical in der Kohlenſäure das Doppelatom⸗ C.(wo C= 6), in der Schwefelſäure das Doppelatom§,; ganz in derſelben Eigenſchaft tritt erſteres auch in den Alkoholen, Aldehyden, fetten Säuren ꝛc., ſo wie das zweite in den organiſchen Schwefelverbindungen auf. Der Charakter einer Verbindung bleibt ſo lange unverſehrt, als das Stammradical unangetaſtet bleibt; im andern.