Aufsatz 
Die Ansichten der neueren Chemie
Entstehung
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nicht wechſelnde Beſtandtheil in einer Reihe von Verbindungen iſt, wenn er 2) ſich in dieſen erſetzen läßt durch andere einfache Körper und endlich wenn er 3) in ſeinen Verbindungen mit einem einfachen Körper dieſen letzeren ausſcheiden und vertreten läßt durch Aequivalente von andern einfachen Körpern.

Während die Radicaltheorie ſo ſtetig größere Fortſchritte machte, keimte allmählich mit immer beſtimmteren Vorſtellungen jene neue Auffaſſung chemiſcher Vorgänge auf, deren Heranbildung ſich mit beſonderem Eifer zunächſt die franzöſiſchen Chemiker Dumas, Laurent und Gerhardt zur Aufgabe ſtellten. Sie ſuchten theils auf Grund ausgedehnter Arbeiten, theils bei deren Unzulänglichkeit durch den Flug ihrer Gedanken gleichſam divinatoriſch den Begriff der Subſtitution feſt zu begründen. Die Laurent'ſche Definition desſelben, daß z. B. das Chlor, indem es die Stelle des Waſſerſtoffs in einer Verbindung einnimmt, auch ganz deſſen Rolle ſpiele, daß alſo der neue Körper eine völlige Analogie mit dem urſprünglichen beſitzen müſſe, wurde 4 Jahre ſpäter von Dumas weſentlich beſtimmter und in erweitertem Sinne gefaßt. Dumas wurde dadurch der Begründer der älteren Typentheorie, deren wichtigſter Satz lautet:Wenn eine Subſtitution zu gleichen Aequivalenten ſtattfindet, ſo behält der Körper, in welchem Vertretung ſtattgefunden hat, ſeinen chemiſchen Typus bei und das eingetretene Element ſpielt in ihm dieſelbe Rolle, wie das Element, welches ausgetreten iſt, ſo daß demnach die Eigenſchaften der Verbindungen mehr durch die Lagerung der Atome als durch deren Natur bedingt iſt. Mit dieſem Satz warf Dumas, wie er ſich ausdrückte, den Glaubensartikeln der elektrochemiſchen Theorie den Fehdehandſchuh hin, der ſofort von ihrem kampf⸗ bereiten Vertheidiger und Urheber aufgenommen wurde. Dieſer Kampf war der neuen Anſchauung ſehr förderlich. Sie war dadurch allzu weit gegangen, daß ſie verallgemeinerte, was für einzelne Elemente durch ihre eindeutigen Verſuche ſchlagend nachgewieſen war. Wenn die Elemente durch irgend eines ſubſtituirbar ſind, ohne Aenderung des Typus, ſo könne man, wurde mit Spott eingeworfen, auch die Elemente z. B. in der Baumwolle durch Chlor erſetzen und ſo aus Chlor geſtrickte Strümpfe und Nachtmützen herſtellen. In geläuterter Form trug dieſe Theorie jedoch einen glänzenden Sieg davon. Die Radicale hatten bei einem Theile der Chemiker während des Streites durch Aufſtellung einer Reihe von Hypotheſen eigenthümliche Veränderungen erfahren; ſie waren durch Berzelius zu ſog. Paarlingen geworden, aus welchen ſpäter Kolbe ſeine gepaarten Radicale bildete und mit denſelben nebſt ſeiner Schule einen iſolirten Weg zu weiterer Entwicklung einſchlug. Während die dualiſtiſche Theorie auf das beſtimmteſte die Lagerung der Atome in einer Verbindung angeben zu können vermeint, läugnet dies die unitare Anſchauung; einer ihrer Begründer, Gerhardt, erklärt es für ein eitles Unternehmen, die Conſtitution der Körper beſtimmen zu wollen; man könne die Verbindungen höchſtens nach ihrem Verhalten und ihren Metamor⸗ phoſen klaſſificiren. Er ſchlägt daher unitare, die ſog. empiriſchen Formeln vor und erklärt die ſogenannten rationellen Formeln für allen Grundes baare Hypotheſen und begibt ſich damit auf einen feindſeligen Standpunkt gegen die Radicale nicht allein im dualiſtiſchen Begriff des Wortes, ſondern auch im Allgemeinen; die Erörterungen mit den Gegnern und die Entwicklung ſeiner eigenen Anſichten,(théorie des résidus, Reſte) führen endlich Gerhardt und ſeine Anhänger dazu, durch eine Allianz mit der Radicaltheorie der Subſtitutions⸗ oder Typentheorie keeinen gewiſſen Abſchluß oder wenigſtens einen Ruhepunkt zu gewähren. Die nach dieſem Zeitpunkte erreichten Reſultate beſtehenin einem neuen Atomgewichtsſyſtem, das auf conſequenter Durchführung der Volumgeſetze und Berückſichtigung der Analogieen begründet wurde, in einer chemiſchen Bezeichnungsweiſe, in der alle Formeln und Reactionen durch genauere Beſtimmung der relativen Größen der Molecüle vergleichbar werden, in der Auffaſſung der chemiſchen Verbindung als Aneinanderlagerung von Atomen zu einem einzigen Ganzen, das durch Austauſch keines Elements oder Radicals gegen ein anderes Umgeſtaltungen erleiden kann.

§ 7. Die Säuren und Paſen.

Zur Befeſtigung der Subſtitutionstheorie trugen weſentlich bei die Unterſuchungen, welche dazu führten, die Säuren ſämmtlich als Waſſerſtoffſäuren anzuſehen. Den Ausgangspunkt bildete die Salzſäure. Während Lavoiſier und Berthollet dieſelbe als Verbindung eines unbekannten Radicals mit Sauerſtoff anſahen, eine Idee, welche mit den Anſichten Lavoiſiers bezüglich des Sauerſtoffs als Säurebildners natürlich harmonirte, hat bald darauf Dapy(1810) gezeigt, daß dieſe Verbindung als nur aus den Elementen Chlor und Waſſerſtoff