Sinn anwenden wollen, dass jeder Augenblick nur in Hinsicht auf den späteren Beruf benützt werden soll. Ueberall da, wo dies Streben vorhanden ist, ist es ein Krankheitssymptom, gegen' welches bald nach Realisirung jenes Strebens, als ganz auf natürliche Weise begrindet, eine ebenso abnorme Reactiön des Geistes und Gemüthes sich geltend machen muss, wie wir diese vielleicht in der in ein Zerrbild ausgearteten religiösen und spiritualistischen Schwärmerei Nord- amerika’s und Englands erblicken. Mit allem dem soll jedoch nicht gesagt sein, dass die Schule in gar keine Beziehung zum Leben treten solle; dass sie dies thun muss und kann, beweist das in unserm Jahrhundert so rasch aufblühende Realschulwesen; das aber soll gesagt sein, dass nur jene realistischen Fächer, die vor den Augen einer gesunden Pädagogik Gnade finden und zwar nach pädagogischen Prineipien betrieben werden sollen. Das Leben kann nach absolvirtem Schul- besuch beginnen mit der Handelsakademie, der Gewerbe- oder landwirthschaftlichen Schule oder mit der Erlernung des Geschäfts. Dass nach solchem Betreiben der realistischen Fächer immei- hin auch ein materieller Nutzen für das spätere Leben erzielt wird, ist natürlich eine schätzens- werthe Beigabe,
Ein weiterer Vorwurf, der seine Spitze speciell gegen die Realschulen kehrt und in ganz andern und zwar competenteren Kreisen seinen Ursprung hat, ist der, dass auf jenen Schulen zu vielerlei getrieben wird, dass durch allzu viele Einzelheiten allzu vieler Gegenstände, die der Jugend eingepfropft werden, verschiedene geistige Funktionen in ihrer gesunden Entwicke- lung gehenimt, dass neben manchen andern krankhaften Erscheinungen im Geistesgebiet Ge- dächtnisschwäche erzielt und die rasche Auffassungsgabe vermindert würde. Ein prineipieller pädagogischer Satz der Alten war„non multa sed multum“, der sich vielleicht in anderer Aus- drucksweise dadurch wiedergeben liesse, das jugendliche Wissen muss mehr nach der Tiefe als nach der Breite cultivirt werden. Nach diesem gewiss richtigen Grundsatz kann man obigen Vor- wurf nicht für unbegründet erklären. Wenn ich nun, wie das in der Stellung eines praktischen Schulmanns nicht anders sein kann, von diesen Empfindungen bewegt, eine neue Disciplin als würdig zur Aufnahme in das Gebiet des Lehrstoffes unserer Schulen vorgeschlagen finde, so sind es 2 Fragen, die zur Beantwortung herantreten; erstens hat der neue Unterrichtsgegenstand jenen unbedingt nothwendigen bildenden Werth und zweitens wie ist.es möglich, ihn, ohne neue Lasten auf die Schultern unserer Schüler zu wälzen, einzuführen. Die Beantwortung dieser Fragen soll in möglichst kurzer Fassung im folgenden versucht werden. Bei der Leetüre des eitirten Programıns freute ich mich, einmal aus den zum Mitsprechen berechtigten Kreisen ein Wort zur richtigen Zeit zu hören, das den reichen geistesbildenden Werth dieser mathematischen Dis- eiplin, als welche die neuere Geometrie erst in diesem Jahrhundert aufgetreten ist, den Lehrern freilich nicht.prononeirt genug ins Gedächtniss zurückruft, Auf der andern Seite befriedigte mich aber der Aufsatz nicht vollständig, insofern nichts über die schulmässige Behandlung dieses Gegenstandes und nichts über die Stufe bemerkt ist, in welcher er getrieben werden soll. Das Durchlesen hat bei mir den Glauben erweckt, als sölle vorgeschlagen werden, die Grundprineipien der neueren Geometrie theilweise in die Euclidische Geometrie an passend scheinenden Stellen einzuschalten oder an dieselben anzuhängen. Ist in diesem Sinne der Zweck des Aufsatzes richtig verstanden; so kann ich mich nicht mit ihm einverstanden erklären. Bedenkt man frei- lich, dass. die neuere Pädagogik die sogenannte Methode der concentrischen Kreise und zwar mit Recht eultivirt und dass bei der untersten Unterrichtsstufe die Kreise der einzelnen Unter-


