Aufsatz 
Das Christentum und die neuere Sprachwissenschaft
Entstehung
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Sein und Denken zu Grunde liegen, welche als Principien des Seins und Erkennens in Gott vorhanden, als Principien des Werdens, als ſchöpferiſche Weſensbegriffe in den Dingen wirkſam ſind, und der wir durch ſinnige Betrachtung und Nachdenken des Vorgedachten und in den Dingen Realiſierten inne werden, beſeitigt, und es würde fortan nur ein Erfahrungswiſſen, oder, wie es in der Philoſophie heißt, eine Erkenntniß a posteriori geben können. Es iſt hier natürlich nicht der Ort, und würde über die uns geſtellten Grenzen hinausführen, wenn wir dieſe einſeitig auf die Erfahrung gehende Richtung der heutigen Wiſſenſchaft, die realiſtiſche ſund antiphilo⸗ ſophiſche Auffaſſung der Dinge ausführlich widerlegen wollten¹); nur einige Bemerkungen, die zum Verſtändniß und zur Begründung des von uns über die Sprache zu Sagenden nöthig ſind, mögen hier ihre Stelle finden.

Die von der Erfahrung ausgehende und hauptſächlich vermittelſt der induktiven oder natur⸗ wiſſenſchaftlichen Methode gewonnene reale oder thatſächliche Erkenntniß hat ihre volle Berech⸗ tigung und bildet die Grundlage unſers geſammten Wiſſens; ja wir ſtehen nicht an, zu ſagen, daß die einſeitige und übertriebene Geltung, welche dieſe Betrachtungsweiſe in der neueren Zeit erlangt hat, zum Theil aus dem entgegengeſetzten Verfahren, die Augen vor den Thatſachen der Erfahrung zu verſchließen und ſich einem unbegründeten Idealismus, wie dies namentlich von der ſogenannten neueren deutſchen Philoſophie geſchehen, zu überlaſſen, hervorgegangen iſt und darin ihre Erklärung findet. Allein ſo berechtigt die empiriſche und reale Betrachtungs⸗ weiſe der Dinge, und zwar nicht bloß auf dem Gebiete der Naturerſcheinungen, ſondern auch auf allen Gebieten des Lebens, auf dem Felde der Geſchichte nicht anders, wie der menſchlichen Seelenthätigkeiten iſt; ſo ſchließt ſie darum doch die ideale oder philoſophiſche Betrachtung ſo wenig aus, daß ſie vielmehr erſt durch dieſe ihre wahre Begründung, ihr volles Verſtändniß erhält.

Allerdings hat die Erfahrungswiſſenſchaft im Laufe der Zeit auf allen Gebieten Außer⸗ ordentliches geleiſtet. Nehmen wir z. B. die Naturwiſſenſchaft, die in unſerer Zeit auf dem Ge⸗

man Etwas nicht nur ſeinem Weſen nach logiſch erforſcht, ſondern wenn man es in ſeinem organiſchen Zu⸗ ſammenhange mit dem Univerſum, in ſeiner Beziehung zu Gott, alſo in ſeiner höchſten Bedeutung erkannt hat. Vgl. Rumpel, philoſophiſche Propädeutik, S. 26. Die Ideenlehre, zuerſt von dem göttlichen Plato auf⸗ geſtellt, hat erſt durch das Chriſtenthum und die chriſtliche Philoſophie ihre volle Ausbildung erlangt. Hin⸗ ſichtlich ihrer Wichtigkeit ſagt der heil. Auguſtinus: Tanta vis constituitur in ideis, ut nisi his intellectis nemo sapiens esse possit. Vgl. De Ideis divinis v. Vigener. Münſter 1869.

¹1) Wie weit dieſe Anſchauung um ſich greift, geht aus dem in dieſem Aufſatze mehrfach angeführten Werke von Benfey,Geſchichte der Sprachwiſſenſchaft S. 323. ff. hervor. Nachdem er es ausgeſprochen, daß es nach dem Auftreten Hegel's mit der Philoſophie aus ſei, ſchließt er mit den Worten:So wird ihr (der Philoſophie) vielleicht nichts weiter übrig bleiben, als die ſpekulative Metaphyſik, dieſe Mythologie der Wiſſenſchaft. Allerdings iſt es, wenn das Wirkliche zugleich das Vernünftige iſt, wenn die Dinge an keinem höheren Maßſtabe zu meſſen ſind, als an ihrem immanenten Begriff, wie der neuere Pantheismus annimmt, mit der philoſophiſchen Erkenntniß aus.