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durch ſeine Schrift,„Sprache und Weisheit der Inder“, wie durch„ein glänzendes Programm, eine brillante Ouvertüre“ das Studium des Sanskrit bei uns einleitete, Friedrich v. Schlegel, ¹) der chriſtlich⸗romantiſchen Richtung angehört, und daß der gründliche Kenner des Sangkrit, welcher durch ſein gelehrtes Werk ²) vor allen die vergleichende Sprachwiſſenſchaft gegründet hat, Franz Bopp aus Mainz, ſeine Anregung für und ſeine Richtung auf dieſe Studien dem tiefſinnigen chriſtlichen Philoſophen K. J. Windiſchmann verdankt. ³)
Soviel über die reale Seite der neueren Sprachwiſſenſchaft, woraus, wie wir glauben, der Vorſchub, den das Chriſtenthum derſelben im Laufe der Zeit geleiſtet, der Einfluß, den es auf dieſelbe geübt hat, klar und deutlich hervorgehen dürfte.
Es bleibt uns jetzt noch übrig, die Bedeutung nachzuweiſen, welche das Chriſtenthum, wenn auch mehr indirekt, durch ſeine erhabenen Lehren über Gott, die Welt und den Menſchen, ſowie durch die aus demſelben hervorgegangene Philoſophie auch für die andere, die ſpekulative oder philoſophiſche Seite der Sprachwiſſenſchaft hat.
Allerdings geht der ganze Zug der Zeit dahin, Alles auf natürlichem Wege mit Ver⸗ meidung alles Transſcendenten, Ueberſinnlichen, Vorempiriſchen, ⁴) alſo auch der Annahme eines abſoluten, perſonlichen Weſens, als des Schöpfers und Erhalters der Welt, als des erſten Grundes alles Seins und Denkens, zu erklären. Daher unter andern der Beifall, den wider Erwarten die Darwin'ſche Hypotheſe in ſo weiten Kreiſen, insbeſondere in Deutſchland, gefunden hat, weil man darin das Mittel zu beſitzen glaubt, alle organiſchen Bildungen, von den niedrigſten Pflanzen bis zum höchſten Weltweſen, das wir auf der Erde antreffen, dem Menſchen, durch blind wirkende Urſachen, den Zufall und eine vieltauſendjährige Entwicklung erklären zu können.
Wäre dieſe Anſicht richtig, ſo wäre damit die Philoſophie in dem Sinne, wie ſie von den älteſten Zeiten bis jetzt, von Plato und Ariſtoteles bis auf die namhafteſten Philoſophen der Gegenwart verſtanden worden, nämlich als die Wiſſenſchaft von den Ideen,⁵) welche allem
¹1) Im Jahre 1808.
²) Vergleichende Grammatik des Sanskrit, Send, Armeniſchen, Griechiſchen, Lateiniſchen, Altſlaviſchen, Gothiſchen und Deutſchen. 2 Bände 1857— 1861.
³) Eduard Franz Bopp, 1791 zu Mainz geboren, wurde von Windiſchmann früh für orientaliſche Sprachen und Literatur gewonnen, ſtudierte dieſelben ſeit 1812 mit Unterſtützung des Königs von Baiern in Paris, London und Göttingen und wurde 1821 Profeſſor der orientaliſchen Literatur in Berlin.
4)„Der Naturkundige,“ ſagt Virchow(Archiv für pathologiſche Studien II. S. 9),„kennt nur Körper und Eigenſchaften der Körper; was darüber iſt, nennt er transſcendent, und die Transſcendenz betrachtet er als eine Verirrung des menſchlichen Geiſtes.“ Aehnlich Moleſchott, Czolbe, Büchner u A.
⁵) Bei dem ſchwankenden Gebrauche dieſes wichtigen Wortes, das bald mit Vorſtellung, bald mit Be⸗ griff verwechſelt wird, möge hier eine kurze Erklärung folgen. Vorſtellung iſt immer eine Abbildung des Dinges ſelbſt, wie ich es in meinem Geiſte habe; Begriff iſt die Zuſammenfaſſung der weſentlichen Merkmale eines Dinges; Idee iſt Vollkommenheitsbild und Gedanke. Der Begriff wird zur Idee, wenn


