Aufsatz 
Das Christentum und die neuere Sprachwissenschaft
Entstehung
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mehr hervor, wenn wir es mit dem faſt gleichzeitig erſchienenen Werke unſeres Landsmanns Adelung ¹) vergleichen.Während der Sprachenkatalog von Hervas, ſagt Benfey ²),das Ge⸗ präge der Einheit und der Verfolgung eines beſtimmten Zweckes trägt, überhaupt durch das ſelbſtändige Urtheil des ſeinen Stoff ganz beherrſchenden Verfaſſers imponiert und durch eine ſach⸗ gemäße Darſtellung ſelbſt dieſen ſpröden Stoff zu beleben und Theilnahme für ihn zu erwecken weiß, iſt der Mithridates Adelungs mehr oder faſt ganz im Charakter eines Sammelwerks gehalten, in ſeinen meiſten Theilen von den Urtheilen Anderer abhängig und entbehrt faſt durchgängig aller Reize, welche zur Durchleſung desſelben locken könnten.

Freilich wurde das vortreffliche Werk des Hervas, ſowie alles bis dahin auf dem Ge⸗ biete der Sprachwiſſenſchaft Geleiſtete, bald nach ſeiner Erſcheinung in den Schatten geſtellt durch die Entdeckung und Ausbeutung des Sanskrit, d. i. der heiligen Sprache der Inder. Aber auch hier waren Miſſionäre, und zwar beſonders deutſche Miſſionäre, die Pioniere, die bereits lange vorher das Richtige ahnten, ſo daß es nicht an ihnen gelegen hat, wenn dieſe wichtige Ent⸗ deckung nicht früher in der rechten Weiſe verwerthet worden iſt. Um nur Einiges zu erwähnen, ſo war der Jeſuit Hanxleden, welcher 1699 nach Indien ging, der erſte Europäer, welcher eine Sanskrit⸗Grammatik ſchrieb und ein malabariſch⸗ſanskrit⸗portugieſiſches Lexikon abfaßte; ³) der Miſſionär Schulze wies bereits in einem Schreiben vom 19. Auguſt 1725 ganz beſtimmt auf die Verwandtſchaft des Sanskrit mit dem Lateiniſchen hin und belegte dies durch eine Nebenein⸗ anderſtellung der ſanskritiſchen und lateiniſchen Zahlwörter; ja, der Pater Coeurdoux in Pondichery ſandte im Jahre 1767 dem Abbé Barthélemy für die franzöſiſche Akademie eine Abhandlung ein, in welcher zuerſt das Verhältniß des Sanskrit zum Griechiſchen und Lateiniſchen eindringlicher betrachtet und der richtige Grund desſelben, die urſprüngliche Verwandtſchaft der Inder, Griechen und Lateiner ausgeſprochen ward. 4) Aber die Zeit zur Anerkennung und Ausbeutung dieſer wichtigen Entdeckung für die Sprachwiſſenſchaft war noch nicht gekommen. Erſt nachdem die Engländer in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Indien feſten Fuß gefaßt und zu⸗ nächſt in ihrem politiſchen Intereſſe ſich mit der Sprache und Literatur des Sanskrit ernſtlich befaßten, nachdem Männer, wie Wilkens, Jones, Colebrooke, ſich eine gründliche Kenntniß jener Sprache erworben und dieſelbe auch ſtrebſamen Männern des Kontinents mitgetheilt hatten; nahmen die Sanskritſtudien einen bis dahin ungeahnten Aufſchwung und wirkten wahrhaft um⸗ geſtaltend auf die Sprachwiſſenſchaft ein. Bemerkenswerth aber iſt, daß der Mann, welcher

¹) Dem ſchon erwähnten Mithridates. 2) A. a. O. S. 271. ff.

³) S. Benfey a. a. O. S. 335.

4) S. Benfey a. a. O. S. 341.