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in das Licht der Geſchichte tritt! Was aber den Charakter unſeret geſammten älteſten Sprache und Literatur betrifft, ſo iſt allgemein bekannt, daß derſelbe ganz und gar von chriſtlichem Geiſte durchdrungen, ja eigentlich durch das Chriſtenthum hervorgerufen iſt.
Wenn das Chriſtenthum auf dieſe Weiſe auf die Erhaltung und Pflege einer Menge Volksſprachen zu einer Zeit, wo dieſelben noch auf den mündlichen Verkehr beſchränkt waren, den größten und wohlthätigſten Einfluß ausübte; ſo war dasſelbe anderſeits nicht minder wirk⸗ ſam, uns nach und nach die Sprachen auch der entlegenſten Völker der Erde kennen zu lehren, nämlich durch ſeine Miſſionen. Wir haben bereits oben erwähnt, wie das Hebräiſche ſchon im XIII. Jahrhunderte hauptſächlich zur Bekämpfung des Judenthums von Ordensgeiſtlichen be⸗ trieben wurde. Dasſelbe gilt von dem Studium des Arabiſchen zum Behufe der Bekehrung der Araber in Spanien. Mit dem XVI. Jahrhundert nimmt die Miſſionsthätigkeit der Kirche einen bedeutenden Aufſchwung und einen feſt geregelten Gang. Nachdem bereits Gregor XIII. (1573— 1585) in Rom eine Miſſionsanſtalt mit 4 Kollegien für morgenländiſche Nationen ge⸗ ſtiftet; folgte ſodann im Jahre 1622 die Gründung des Collegium de propaganda fide daſelbſt mit dem beſonderen Zweck, das Chriſtenthum durch Eingeborne des Volkes, zu welchem es ge⸗ bracht werden ſoll, zu verbreiten. ¹)
Durch die chriſtlichen Miſſionäre nun, darüber ſind alle einverſtanden ²), iſt in den letz⸗ ten Jahrhunderten für die Erweiterung der Sprachenkunde das Bedeutendſte geleiſtet worden. In ihrem Eifer, die frohe Botſchaft allen Menſchen zugänglich zu machen, ſind ſie bis in die entfernteſten Gegenden der Erde, die bisher noch kein Fuß der Europäer betreten, vorgedrungen. Ueberall haben ſie mit unſäglichem Fleiße ſich die Sprachen der fremden Völker angeeignet, ihre Wörter geſammelt, ihre Eigenthümlichkeiten in Grammatiken dargeſtellt und ſo die vergleichende Sprachwiſſenſchaft und die Klaſſifikation, welche den Höhepunkt der neueren Sprachwiſſenſchaft nach der realen Seite hin bezeichnen, angebahnt, ja ſelbſt eingeleitet und weiter geführt.
Es liegt in der Natur des menſchlichen Geiſtes und wird durch die Geſchichte mehrer Wiſſenſchaften beſtätigt, daß er auf einer gewiſſen Stufe der Erkenntniß, ſobald er eine Menge mehr oder minder gleichartiger Einzelweſen kennen gelernt hat, dieſelben mit einander vergleicht und nach ihren gemeinſamen Merkmalen in Klaſſen, Ordnungen, Familien, Gattungen und Arten
¹) Mit dieſem Kollegium ſtehen in Verbindung a) eine Bibliothek, reich an koſtbaren Werken, beſon⸗ ders Ueberſetzungen aller Art bedeutender Schriften in's Chineſiſche, und orientaliſche Handſchriften, b) eine reiche Buchdruckerei, in welcher die für die Miſſionäre nöthigen Bücher aller fremden Sprachen gedruckt werden, c) ein merkwürdiges Muſeum, enthaltend allerlei Merkwürdigkeiten aus den fremden Ländern, welche die Miſſionäre durchwandert haben. S. Freiburger Kirchenlexikon u. d. W.
²) Vgl. u. a. M. Müller u. Benfey a. a. O.


