—-— 4—
Namen zu den durch ſie bezeichneten Dingen, der Zuſammenhang zwiſchen Denken und Sprechen waren die Aufgaben, an deren Löſung ſich nacheinander die bedeutendſten Denker verſuchten ¹). Zwei allgemeine Grundanſichten aber ſind es, die wir ſchon früh hinſichtlich der Sprache bei den Griechen hervortreten und, wenn auch die Namen vielfach wechſelnd, das ganze Alterthum hindurch ſich einander gegenüber ſtehen ſehen. Jeder Sprachphiloſoph des Alterthums war ent⸗ weder ein Phyſiker oder ein Thetiker, d. h. er nahm eine Uebereinſtimmung zwiſchen den Worten der Sprache und der Natur der von ihnen bezeichneten Dinge an, oder er huldigte der Mei⸗ nung von einem rein konventionellen oder ſatzungsmäßig mechaniſchen Charakter derſelben. Die ganze Sprache wurde zunächſt aufgefaßt unter dem Geſichtspunkt ihres Verhältniſſes zur äußern Objektivität, und da wir mit einem beſtimmten Worte eine beſtimmte Sache zu bezeichnen ge⸗ wohnt ſind; ſo entſtand die Frage, ob das erſtere der letzteren wirklich innerlich adäquat, oder ob es bloß durch irgend einen geſetzloſen Zufall mit ihr in Verbindung gebracht worden ſei. Jenes Verhältniß wurde mit dem Namen der 090 1„„, der a.211 αια, dieſes der ruxg, des GHετ⁴⁶νμ⁴αφτον u. dergl. bezeichnet ²). Die Ergebniſſe dieſer erſten philoſophiſchen Betrachtung aber, die mit Plato ihren Abſchluß fand ³), ſind für uns trotz des Scharfſinnes, welcher in denſelben hervortritt, gegenwärtig ohne große Bedeutung. Wichtiger dagegen und in ihren Reſultaten noch jetzt bei uns fortwirkend iſt die mit Ariſtoteles beginnende empiriſch⸗praktiſche Erforſchung der Sprache, welche unter den Alexandrinern ihren Glanz⸗ und Höhepunkt erreichte. Obwohl Ari⸗ ſtoteles vorwiegend logiſche Zwecke bei ſeiner Sprachbetrachtung verfolgte, und ſeine Thätigkeit auf die Erkenntniß des Verhältniſſes der Sprache zum Gedanken, der logiſchen Elemente und ihrer Beziehungen zu den Elementen und Formen der Sprache gerichtet iſt ⁴); ſo hat er doch für die Sprachwiſſenſchaft Außerordentliches geleiſtet und iſt als der erſte Urheber und Begründer der mit der Logik eng verwandten Grammatik zu betrachten ⁵*). Der von Ariſtoteles eingeſchlagene
¹) Siehe Steinthal, Geſchichte der Sprachwiſſenſchaft bei den Griechen und Römern. M. Müller, lec- tures on the science of language. C. Hermann, das Sprachproblem und ſeine Entwicklung in der Geſchichte.
²) Während die Anſicht der Phyſiker auf Heraclit, der die Wörter mit den ſich in der Natur ſelbſt vorfindenden Abbildungen der Dinge, z. B. mit den Schatten, welche die Gegenſtände werfen, oder auch mit den Reflexen, die uns von ihnen in einem Spiegel oder im Waſſer erſcheinen, vergleicht, zurückzuführen iſt; rührt die Anſicht der Thetiker von Demokrit, dem Vater des blinden und geſetzloſen Atomismus, her. S. C. Hermann a. a. O
4) Durch den berühmten Dialog„Kratylus“, das älteſte und bedeutendſte ſprachphiloſophiſche Werk der Griechen.
⁴) Es iſt bekanntlich die weltgeſchichtliche That des Ariſtoteles geweſen, durch das Mittelglied der Sprache zur Wiſſenſchaft des Denkens, zur Logik, gekommen zu ſein, welche von da an eine mehr oder min⸗ der ſelbſtändige Entwicklung genommen hat. Vgl. Trendelenburg, logiſche Unterſuchungen, S. 363. und Katzenberger, Grundfragen der Logik, S. 9 ff.
*) Vgl. Steinthal a. a. O. und Benfey, Geſchichte der neueren Sprachwiſſenſchaft, S. 121 ff.


