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der einträglichen Grundlage weiter zu bauen und mit der Elemen⸗ tarklaſſe noch zwei höhere Klaſſen unter den gleichen Bedingungen zu verbinden. Da die wohlhabenderen Eltern der Schüler, welche damals in der III. Klaſſe der Domſchule ſich befanden, einverſtanden und bereit waren, ihre Kinder in die neu zu errichtenden Klaſſen eintreten zu laſſen; ſo kam im Sommer 1816 die jetzige Selektenſchule in ihren erſten Anfängen zu Stande¹). Sie zählte bald an 70 Schüler und warf über 2000 fl. ab. Die Lehrgegenſtände in den oberen Klaſſen waren die gewöhnlichen Realfächer, Geographie, Geſchichte, Naturlehre, Mathematik und kaufmänniſches Rechnen, ferner franzöſiſche Sprache, Zeichnen, Schönſchreiben und Geſang; daneben aber auch zur Vorberei⸗ tung für das Gymnaſium die Anfangsgründe der la⸗ teiniſchen Sprache ²). War ſomit auch aus dem dringenden Bedürfniſſe der katholiſchen Gemeinde eine neue, in ihren Grund⸗ zügen dem frühern Fridericianum entſprechende Schule hervorge⸗ gangen; ſo fehlte doch noch viel, daß ſie bei der geringen Klaſſen⸗ zahl und der mangelhaften inneren Einrichtung dem Fridericianum, wie es ſeit 1808 als eine mit einer Realſchule verbundene Ge⸗ lehrtenſchule beſtanden, gleichgekommen wäre. Einmal ſtand die Erſchöpfung der allgemeinen Schulkaſſe, in welche auch das Er⸗ trägniß der Selektenſchule floß, der Anſchaffung von Schulapparaten und Lehrmitteln, ſowie jeder, auch der zweckmäßigſten Verbeſſerung
¹) Obgleich der Geiſtliche Rath Ort bereits in einem Berichte vom 15. Ja⸗ nuar 1815 die„Selektenklaſſe“ das Fundament einer künftigen„Selek⸗ tenſchule“ nennt; ſo war doch der letzte Name lange Zeit für das Ganze der Schule wenig in Gebrauch. Vielmehr wird dieſelbe bald„Domini⸗ kanerſchule“, bald„Knabenſchule im ehemaligen Dominikanerkloſter“, ſpäter„Knabenſchule an der Liebfrauenkirche“ genannt; die einzelnen Klaſſen aber finde ich mitunter als„Selektenklaſſen“ bezeichnet.
²) S. Anhang II. 3. a.


