Aufsatz 
Zur Geschichte der Selektenschule
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

daß die beiden unteren Klaſſen der Domſchule, während in der III. oder oberſten Klaſſe, für welche ein höheres Schulgeld bezahlt wurde, meiſtens nur die Knaben der wohlhabenderen Bürger zu⸗ rückblieben, mit Kindern größtentheils der unterſten Volksklaſſen überfüllt waren. Da nun gerade im Jahre 1814 der Zudrang meiſtens ganz armer Kinder zu der unterſten Klaſſe ſo groß war, daß man dieſelben kaum mehr unterbringen konnte ¹), ſo kam der ſchon Länger gehegte Gedanke einer Trennung zunächſt der unteren Klaſſe endlich zur Ausführung. Mit Genehmigung der Oberſchul⸗ behörde eröffnete man im Spätherbſt 1814 in dem Lokale der eingegangenen Realſchule im ehemaligen Dominikanerkloſter eine zweite Elementarklaſſe ²), welche durch das hohe Schulgeld von 40 fl., das jedes Kind zu bezahlen hatte, nicht nur ſich ſelbſt zu erhalten, ſondern auch noch einen Ueberſchuß in die Schulkaſſe zu liefern verſprach. Da das Unternehmen über Erwarten gelang und bedeutend mehr eintrug, als es koſtete, ſo wurde im Herbſte 1815 eine zweite Abtheilung hinzugefügt, in welcher auch noch Unterricht in der franzöſiſchen Sprache, im Zeichnen und Schön⸗ ſchreiben durch beſondere Lehrer ertheilt wurde. Allein jetzt ent⸗ ſtand die Frage, wo man mit den Kindern bleiben ſollte, wenn die Elementarklaſſe dieſelben nicht mehr weiter bringen konnte. An die Domſchule wollte man ſie natürlich nicht wieder zurückſchicken, und an das Gymnaſium konnte man ſie nicht entlaſſen, da die größere Mehrzahl nicht ſtudieren ſollte. Man beſchloß daher auf

¹) Aus einem Berichte des geiſtlichen Raths Orth erſehe ich, daß die e Zabl der Kinder in der erſten Klaſſe auf 140 geſtiegen war.

²) Dieſe Klaſſe finde ich ſchon bald nach ihrer Errichtung in einem Berichte des Geiſtlichen Rathes. Orth als dieSelektenklaſſe bezeichnet, d. h.abgeſonderte, aber auchauserleſene Klaſſe, weil ſie vorzugs⸗ weiſe die Kinder der Honoratioren enthielt. Sie iſt jedenfalls als der erſte Keim unſerer Schule zu betrachten.