Aufsatz 
Zur Geschichte der Selektenschule
Entstehung
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Direktor der Realſchule¹) ſtarb im Sommer 1814. In Folge hiervon löſte ſich dieſelbe auf, ſo daß von da an die Bürgerſchule am Dome die einzige Lehranſtalt für den beiweitem größten, nicht ſtudierenden Theil der katholiſchen männlichen Jugend war. Um ſie zu heben, wurden mit dem Beginne des Winterſemeſters 1814/15 die zur Verfügung ſtehenden Lehrer der aufgelöſten Realſchule, welche eine feſte Anſtellung hatten, in der dritten oder oberſten Klaſſe der Domſchule verwendet, und gleichzeitig die bisherigen Lehrgegenſtände noch durch die Fächer der Geographie und Ge⸗ ſchichte, der populären Naturlehre, der franzöſiſchen Sprache, des Schönſchreibens und Zeichnens vermehrt. Die Folge hiervon war,

¹) Profeſſor Chriſtian Schenzer, ein tüchtiger Schulmann, der früher dem Fridericianum vorgeſtanden und ſpäter auch das geſammte katholiſche Schulweſen geleitet hatte. Hier einige Züge aus einer ſchönen, mir von Herrn Dr. Schütz zugekommenen Schilderung jenes Mannes. Chriſtian Schenzer, gebürtig aus Mainz, wurde in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre durch den damaligen Churfürſten von Mainz als Pro⸗ feſſor der klaſſiſchen Philologie und anderer Disciplinen an die obern Klaſſen des Gymnaſium Fridericianum berufen. Im Jahre 1808 er⸗ nannte die Fürſtprimatiſche Specialſchulkommiſſion ihn an die Stelle des erkrankten Stadtpfarrers und geiſtlichen Rathes Kauth zum Direktor der katholiſchen Schulen. Schenzer war ein Mann von mittlerer Größe, mit angenehmen Geſichtszügen; ſein Auftreten war würdevoll, ſelten in anderer, als geiſtlicher Kleidung. Mit rühmlichſtem Eifer und raſtloſer Thätigkeit unterzog er ſich der Erfüllung ſeiner verſchiedenen Amtspflich⸗ ten. Eltern, Lehrern und Schülern auf das freundlichſte zugänglich, half er mit Rath und That; beſonders hatte das Lehrerperſonal ſich des herzlichen Umgangs, wobei er oft recht heiter ſein konnte, und wo es galt, der kräftigſten Vertretung zu erfreuen. Mit trefflicher Lehrerbegabung verſtand er Strenge mit Milde beſtens zu verbinden. Daher liebten ihn ſeine Schüler, denen er auch ſpäter in ihren verſchiedenen Lebens⸗ ſtellungen väterlicher Freund geblieben iſt. Leider ſtarb er, etwas über 50 Jahre alt, am 1. Auguſt 1814.