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hindernd im Wege. Dann aber fehlte es nach dem Tode des Direktors Schenzer dem katholiſchen Schulweſen überhaupt und der Selektenſchule insbeſondere an der inneren Leitung durch einen tüchtigen und erfahrnen Schulmann, der ſich mit voller Kraft und Muße der Schule annehmen und überall, wo es fehlte, lebendig eingreifen konnte. Zwar wurde bereits im Jahre 1816 der wackere damalige ¹) Hauptlehrer an der III. Klaſſe der Selektenſchule mit der Beſorgung der nothwendigſten Geſchäfte der Inſpektion betraut; allein bei 24— 33 Stunden wöchentlichen Unterrichts war es doch kaum möglich, allen Obliegenheiten einer tüchtigen Leitung zu genügen. Einigermaßen wurde dieſem Bedürfniſſe abgeholfen, als im Jahre 1820 dem an der Liebfrauenkirche angeſtellten Kooperator Fell die Inſpektion der Selektenſchule übertragen wurde, ²) der, weil er nur 8 Stunden Religionsunterricht wöchentlich ertheilte, ſeine ganze freie Zeit der Leitung der Schule widmen konnte. Da gleichzeitig hiermit eine vierte Klaſſe den drei vorhandenen hin⸗ zugefügt wurde, ſo konnte der Lehrplan bedeutend erweitert werden. Als der Zweck und das Ziel der Schule wurde in der erſten Schul⸗ nachricht, die zu Oſtern 1821 gedruckt erſchien, angegeben,„daß ſie die ihr anvertrauten Knaben in allem dem gründlich unterrichten ſolle, was ihnen nothwendig ſei, um wohlvorbereitet zum Kaufmanns⸗ oder Künſtlerſtande als Lehrlinge, oder zum gelehrten Berufe an ein Gymnaſium in die IV. Klaſſe eintreten zu können, nachdem ſie als katholiſche Chriſten zum erſten Male die h. Kommunion würden empfangen haben.“
¹) Der noch lebende Herr Dr. Schütz. Zu ſeinen Obliegenheiten gehörte unter andern die Sorge für die Disciplin, die Fertigung der Protokolle in den monatlichen Konferenzen, die Entwerfung der Stundenpläne u. ſ. w. Für alles dieſes bezog er eine Remuneration von 100 Gulden.
²) Bezeichnend für die damalige Auffaſſung des ganzen Verhältniſſes iſt, daß die Inſpektion gewiſſermaßen nur als ein Nebenamt betrachtet wurde, weßhalb Herr Fell in amtlichen Akten nur den Titel„Kooperator“ führt.


