Aufsatz 
Zur Geschichte der Selektenschule
Entstehung
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zwei Knabenſchulen, die Domſchule und das Gymnaſium Fride⸗ ricianum, und die beiden Mädchenſchulen der Engliſchen Fräulein und der Roſenberger Einigung. Durch dieſe vier Anſtalten, welche den beſcheidenen Anforderungen, die man damals überhaupt noch an Unterricht und Erziehung ſtellte, vollkommen entſprachen, war für das Schulbedürfniß der Katholiken Frankfurts in angemeſſener Weiſe geſorgt. So war und blieb es während der reichsſtädtiſchen Zeit, und ſelbſt nach der Paumerien im Jahre 1803. Zwar wurden damals die den Siftern gehörigen Güter von der Stadt eingezogen; allein die vier Lehranſtalten dauerten in ihren inneren Einrichtungen mit dem bisherigen Lehrerperſonal ungeſtört fort.*)

Eine neue, anſcheinend noch günſtigere Epoche für das hieſige katholiſche Schulweſen trat ein, als im Jahre 1806 mit der Auf⸗ löſung des deutſchen Reiches und der Stiftung des Rheinbundes Frankfurt aufhörte, eine freie Reichsſtadt zu ſein, und zum Souverän eben den Erzbiſchof erhielt, unter deſſen Obhut die katholiſchen Schulen Frankfurts ſeither geſtanden hatten. Der neue Souverän, der den TitelFürſt Primas führte und ſeine Reſidenz in Frank⸗ furt aufſchlug, betrachtete es als eine Ehrenſache, nicht nur für die Beſtreitung der Koſten der katholiſchen Kirchen und Schulen Frankfurts zu ſorgen, ſondern auch das katholiſche Schulweſen ins⸗ beſondere nach Kräften zu heben. Zu dem Ende wurden die Klaſſen

¹) Kinſichtlich der Quellen, die ich bei der vorliegenden Arbeit benutzt habe, bemerke ich hier ein⸗ für allemal, daß ich die Nachrichten des I. und II. Abſchnittes größtentheils aus der im Jahre 1844 an die Bundes⸗ verſammlung gerichteten Denkſchrift des Vorſtandes der kath. Kirchen⸗ gemeinde, die der beiden folgenden Abſchnitte aber aus dem Archiv der Hochwürdigen kath. Kirchen⸗ und Schulkommiſſion, das mir Hochdieſelbe einzuſehen freundlichſt geſtattete, ſowie aus dem unſerer Schule geſchöpft habe. Ueberdies bin ich Herrn Dr. Schütz für die ſchätzbaren Bemer⸗ kungen, die mir derſelbe zukommen ließ, zu vielem Danke verpflichtet.