Aufsatz 
Das Christenthum und die Sprache / Hermann Wedewer
Entstehung
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Fegefeuer, mhd. vegefiur, v. fegen d. i. ſchön, glänzend und rein machen im Feuer, Ueberſetzung des lat. purgatorium.

Frohnleichnam, mhd. fronlicham d. i. des Herrn oder Chriſti Leichnam. Hieher gehört auch Frau, ahd. frouwà⸗ Herrin. Dieſes, ſowie Jungfrau und Magd werden früh für Mutter Gottes gebraucht, daher Frauenkirche und Magdeburg.

Geist, ahd. Geist, Keist⸗ belebender, bewegender Hauch, dann mit dem bekannten durch das Chriſtenthum erfüllten Sinn, daher geiſtig, geiſtreich, geiſtlich, Geiſtlicher, Geiſtlichkeit u. a.

Gnade, ahd. Gi- oder Kinada, mhd. Genade, aus einer Wurzel mit nieder, ſo daß das Wort urſprünglich Nieder⸗ neigung, Herablaſſung bedeutet, vgl. Diu sunne gienc ze gnaden; daher Wohlwollen gegen Geringere, hohe Gewogen⸗ heit und der weitere chriſtlich⸗kirchliche Sinn.

Gewissen, ahd. Gewizzeni, in Begriff und Bildung dem latei⸗ niſchen conscientia entſprechend.

Glaube, ahd. Ki- oder Kaloupo, iſt ſtammverwandt mit lieb und Lob und bezeichnet urſprünglichfür wahr halten aus Hin⸗ geneigtſein, daher gläubig, Gläubiger, glaubhaft, glaublich Aberglaube, Unglaube u. v. a.

Gott, ahd. Got, Cot, von unbekannter Abſtammung, vielleicht vom Perſiſchen khodà⸗ a se datus, mit vielen Ableitungen und Zuſammenſetzungen wie Götter, Gottheit, göttlich, Abgott, Abgötter, vergöttern, gottſelig, Gottſeligkeit, und Perſonen⸗ namen wie Gottfried, Gottlieb, Gottſchalk⸗Gottesdiener.

Götze, mhd. der Gosz, von gießen⸗ gegoſſenes Bild, daher fal⸗ ſcher Gott.

Göthe, ahd. gotà, mhd. gote, vgl. engl. god father,-mother, 1son,-daughter, bedeutet die aus der Taufe Hebende und Gehobene. Hierzu gehört der Gevatter, mhd. gevattere- Mitvater, wörtliche Ueberſetzung des lat. compater, wozu auch die Gevatterin.